Kein Grund zum Feiern: Duisburg fordert die Überarbeitung der Ausbaupläne zur A 59
Die bundeseigene Autobahn GmbH (AdB) feiert heute im Beisein von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder den ersten Spatenstich für den Ersatzneubau des Brückenzuges über den Duisburger Hafen („Berliner Brücke“). Kein Grund zu feiern ist allerdings der Umstand, dass die AdB weiterhin an ihrer Fehlplanung zum Ausbau der A 59 durch Meiderich und Hamborn in Hochlage festhält.
Oberbürgermeister Sören Link und Martin Linne, Beigeordneter für Stadtentwicklung, haben heute im Beisein eines Großteils der Duisburger Ratsmitglieder vor Ort in Duisburg-Mittelmeiderich Stellung zu den aktuellen Ausbauplänen bezogen.
„Der geplante Ausbau der A59 in Hochlage mitten durch ein dicht besiedeltes Wohngebiet ist ein verkehrspolitischer Offenbarungseid. Bundesverkehrsminister Schnieder und die Autobahn Gesellschaft des Bundes ignorieren bewusst die Lebensrealität der Menschen im Duisburger Norden – ihre Zukunft scheint ihnen schlicht egal zu sein. Dieses eklatante Planungsversagen werden wir nicht hinnehmen. Wir werden uns heute und in Zukunft mit aller Entschlossenheit gegen diese Fehlentscheidung und die Ignoranz der Verantwortlichen zur Wehr setzen“, sagte Sören Link vor über 120 Anwesenden.
Während der schnelle Ersatzneubau der „Berliner Brücke“ über das Duisburger Hafengebiet ausdrücklich begrüßt wird, hält die AdB weiterhin mit Rückendeckung aus dem Verkehrsministerium an den umstrittenen Ausbauplänen fest. Auf einem Abschnitt von rund sieben Kilometern soll die bestehende Hochstraße in rund 16 Metern Höhe auf bis zu neun Fahrstreifen verbreitert werden und damit fast die doppelte Ausdehnung erhalten. Gleichzeitig ist eine enorme Kapazitätserweiterung geplant, bei der die bisherige Stadtautobahn als Entlastungsstrecke für die A 3 auch für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt wird.
Von diesen Plänen sind über 30.000 Menschen in Duisburg direkt betroffen. Die Autobahntrasse rückt nah an viele Häuser heran, das Asphaltband wird die Stadtteile noch weiter auseinanderreißen und die Umweltbelastungen verstärken.
„Der Ausbau führt durch dicht bebautes Stadtgebiet und darf nur in Tieflage mit abgedecktem Trog, nicht als offene Hochstraße erfolgen. Wichtig ist, dass sich die A 59 in das städtische Wohnumfeld integriert, nicht umgekehrt“, sagt Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne. „Die AdB behauptet, dass ein Tunnel zu teuer sei. Dies ist allerdings eine sehr einseitige Budgetbetrachtung, denn ein volkswirtschaftlicher Kostenvergleich hat überhaupt nicht stattgefunden! Dabei gilt: Die Menschen in Duisburg haben ein Recht auf eine A 59 in Tieflage mit ‚Deckel‘.“
Schon 2018 hat die Stadt Duisburg mit einer Machbarkeitsstudie belegt, dass eine Troglösung machbar ist. Die Autobahn GmbH hat allerdings nie diese Variante ganzheitlich prüfen lassen und lässt in ihrer Argumentation volkswirtschaftliche Folgekosten weitgehend außen vor.
Im Planfeststellungsverfahren gab es bereits 1400 Einwendungen, eine zweite geänderte Offenlage läuft aktuell.