Heimat-Preis: KOM'MA-Theater setzt Ausrufezeichen
Komm ma‘ wieder ins Theater! Das lohnt sich! Erst recht im KOM’MA-Theater in Duisburg-Rheinhausen. Dort hat sich vor einem halben Jahrhundert ein engagiertes freies Kinder- und Jugendtheater gegründet, das nach wie vor die Generationen begeistert und 2025 mit dem Heimat-Preis der Stadt Duisburg ausgezeichnet wurde.
Das KOM’MA ist das älteste freie Theater mit vornehmlich junger Zielgruppe in NRW. Alt, aber oho – die Bühnenshows haben nichts von ihrem Reiz und ihrer Relevanz verloren. Das Ensemble klärt auf und erklärt, ohne zu verklären. „Theater hat auf jeden Fall eine gesellschaftliche Verantwortung“, beurteilt Gründungsmitglied Renate Frisch. Die 75-jährige pensionierte Lehrerin (Deutsch und Pädagogik) des Stursberg-Gymnasiums Neukirchen-Vluyn und Gründungsmitglied des Theaters ist sowas wie dessen Sprachrohr, zugewandt und zukunftsgewandt, aber immer auch die Gründungsbasis des KOM’MA fest im Blick.
„Die 70er-Jahre waren die Geburtsstunde des antiautoritären Kindertheaters. Bis dahin bestand Theater für Kinder fast nur aus Weihnachtsmärchen und Kasperle. Wir fühlten uns von der neuen Bewegung angezogen“, erinnert sich die selbst ernannte KOM’MA-„Uroma“. Damals hieß das KOM’MA aber noch ReibeKuchenTheater. „Theater nach Speisen zu benennen, war damals üblich. Wir fanden den Namen passend – man kann sich an uns reiben und bekommt trotzdem was Süßes.“
Ein festes Dach über den Kopf hatte die Gründungsriege um Renate Frisch und ihre Mitstreiter Uwe Frisch-Niewöhner und Helle Hensen 1976 noch nicht. „Die ersten drei Jahre waren wir als Straßentheater von Markt zu Markt unterwegs, dann sind wir als Kindertheater durch den deutschsprachigen Raum getourt.“ Bis die Stadt Duisburg dem Ensemble 1994 westlich des Rheins eine betriebskostenfreie Heimat mit bis zu 199 Sitzplätzen gab – im Kultur- und Freizeitzentrum Rheinhausen, Schwarzenberger Straße 147.
„Die Jugend war zu der Zeit richtig theaterverrückt und hat uns bestürmt“, berichtet die Theaterpionierin. Zwischenzeitlich hatten die Theatermacher, die basisdemokratisch als Kollektiv organisiert sind, ihr Portfolio auf Erwachsene erweitert. Und 2013 benannten sie sich auch in KOM’MA-Theater um. Die Themen haben sich zwar der Aktualität angepasst: zum Beispiel Cybermobbing im Stück „Das Verhör“ oder Schönheitsideale und Frauenbild in „GRRRLS“. Der Anspruch ist aber geblieben: politisch, kritisch, verankert in der Lebensrealität der Zielgruppe, das Publikum stets ernst nehmend.
"Kinder wachsen durch Theater"
Unverändert ist auch der Ansatz, das Theater zu den Kindern und Jugendlichen zu bringen. „Wir bespielen sämtliche Schulen in Duisburg“, sagt Renate Frisch, „mit den meisten Stücken sind wir mobil.“ Praktisch: Das KOM’MA-Gebäude war ursprünglich eine Schule, ein früheres Klassenzimmer dient als Probenraum. Schauspielerin Stephanie Lehmann, ehemalige Frisch-Abiturientin, liebt diese direkte Wirkung von Theater auf die Kids: „Man kann sich wesentlich schlechter von den Themen distanzieren als vorm Bildschirm und am Handy.“ Renate Frisch ergänzt: „Man sieht immer wieder: Kinder wachsen durch Theater.“ Und Schauspiel-Größen wie Janis Niewöhner – bekannt aus „22 Bahnen“, „Beat“ oder „Je suis Karl“ – oder Hilmi Sözer („Bang Boom Bang“, „Der Schuh des Manitu“) sind – jeder auf seine Weise – KOM’MA-Ensemble beheimatet.
Gewachsen ist das Theater aber vor allem wegen der Kinder. 1998 wurde erstmals das deutsch-niederländische Kinder und Jugendtheaterfestival „KAAS&KAPPES“ initiiert, über welches die Stadt Duisburg jährlich einen begehrten Dramatikerpreis in fünf Ländern ausschreibt. Zudem unterhält das KOM’MA seit mehr als 15 Jahren einen Jugendclub, in dem 14- bis 18-Jährige unter theaterpädagogischer Anleitung eigene Stücke entwickeln und auf die Bühne bringen. Außerdem engagieren sich die Darstellerinnen und Darsteller schon lange mit Benefiz-Veranstaltungen, unter anderem für die Duisburger Kindernothilfe und haben das sozial-integrative Projekt „Bahtalo“ für frühere Roma-Kinder angestoßen.
Alles auch gute Gründe dafür, dass das KOM’MA jüngst den Heimat-Preis zugesprochen bekam. „Das ist natürlich eine tolle Anerkennung“, freut sich Renate Frisch, „und eine schöne Finanzspritze.“
Und das Jubiläum? Das will man nicht mit Pauken und Trompeten feiern, sondern bodenständig als Kollektiv – mit Jung und Alt: „Über die Jahre ist das KOM’MA eine grundlegende kulturelle Instanz in Duisburg geworden“, findet Renate Frisch. „Es ist schön zu sehen, wenn inzwischen Großeltern, die selbst noch als Kinder hier Stücke gesehen haben, heute ihre Enkel mitbringen.“ Am 12. Juli 1976 war das erste Stück „Wie der „König seine Krone verlor“ – „überzeugt antimonarchistisch und radikaldemokratisch waren wir schon immer“, heißt es im Jubiläumsprogramm, „etwas älter sind wir allerdings geworden, gegen unseren Willen.“ Und so kann das Geburtstagsstück natürlich auch nur „Peter Pan 2.0“ heißen.







