Damwildgehege - tierische Oase mitten in Rheinhausen
Hier sagen sich Emu und Perlhuhn, Meerschweinchen und Molukken-Kakadu gute Nacht. Das Damwildgehege Rheinhausen ist eine Oase inmitten der Großstadt. Der Freundes- und Förderkreis, der seit 25 Jahren den kleinen Tierpark westrheinisch betreibt, bekam für seinen Einsatz 2025 den Duisburger Heimat-Preis.
Eingebettet in die weitläufigen Grünflächen des Volksparks Rheinhausen liegt auf 1,7 Hektar das Damwildgehege – ein Ort, an dem Generationen zusammenkommen und dem Alltagsstress entfliehen. „Wenn ich sehe, wie Kinder strahlen, wenn sie Frösche quaken hören und die Ziegen streicheln, geht mir das Herz auf“, schwärmt Sandra Niedzwiedz. Sie ist die erste Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises Damwildgehege Rheinhausen e. V. und quasi „rund um die Uhr“ für ihr Herzensprojekt da. Vor vier Jahren gab sie sogar ihren Job als Integrationshelferin an einer Schule zugunsten der Tiere auf.
„Viele Familien besuchen uns sogar mehrmals am Tag“, hat Niedzwiedz beobachtet. „Wir haben jeden Tag kostenlos ab 10 Uhr geöffnet und sind gerade für Menschen, die keinen Garten oder Balkon haben, eine wichtige Anlaufstelle.“ 2025 zählte der Verein mehr als 60.000 Gäste – ein neuer Rekord! Vor allem Kinder verbinden den Besuch des nahen Waldspielplatzes mit einem Fütterungsabstecher. Anders als große Zoos setzt das Gelände nicht auf Spektakel, sondern auf Nähe und Niedrigschwelligkeit.
Hauptattraktion ist natürlich das namensgebende Damhirsch-Rudel um Leithirsch Charly. Demnächst ziehen sich die Tiere aber etwas mehr in den hinteren Bereich der Weiden zurück. Die Nachwuchssaison steht an. Bei den Ziegen bleiben Zicklein dieses Jahr zwar noch aus; der Bock der Herde ist noch zu jung. Dafür steht aber eine Erweiterung des Ziegen-Geheges in den Startlöchern. Der Tiergarten kann seine Fläche um die ehemalige Naturwerkstatt des NABU vergrößern.
Liebevoll gestalten und pflegen die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele davon über das Jobcenter vermittelt, die Gehege und Volieren für die circa 100 Tiere. Schon morgens um 7 Uhr lassen sie die Bewohner aus ihren Stallungen, bringen sie mit Einbruch der Dunkelheit wieder sicher ins Innere. „Den Menschen hier den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen“, erklärt Sandra Niedzwiedz, „ist mein persönlicher Antrieb. Und wir konnten schon so einige Erfolgsgeschichten schreiben.“
Auch das ist typisch fürs Damwildgehege, dessen Schirmherr Oberbürgermeister Sören Link ist – familiärer Zusammenhalt und flache Hierarchien. „Wir sind alle eins. Das ist unser Geheimrezept“, sagt die Vereinsvorsitzende. Gemeinsam wird an neuen Hütten gewerkelt. Erst kürzlich wurden frisch ein Hühnerkrankenhaus und ein Emu-Unterstand gezimmert.
Weiterbilden können sich aber nicht nur die Helferinnen und Helfer, sondern auch die Besuchenden. Viele Kindergärten und Schulen der Umgebung nutzen die Räumlichkeiten im Damwildgehege als grünes Klassenzimmer für naturpädagogischen Unterricht, erforschen Biotope, mikroskopieren Wasserlebewesen und lernen, dass das Frühstücksei seinen Ursprung nicht im Supermarkt hat.
Ohne die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder und ein großes Netzwerk von Unterstützerinnen und Unterstützern wäre das alles nicht in diesem Umfang möglich, betonen Sandra und ihr Mann Ralf-Peter Niedzwiedz, die auch Urlaube für das Projekt opfern. Der Heimat-Preis sei daher eine besondere Anerkennung: „Der Preis gehört uns allen. Er war für uns wie ein Geschenk Gottes.“





