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Auf diesen Spielplatz können Kids bauen

Bauspielplatz Fuchsstraße

Wer will fleißige Handwerker sehen, der muss zu den Kindern auf dem Bauspielplatz Fuchsstraße gehen. Seit nunmehr 50 Jahren lernen Kinder in Wanheimerort spielerisch den Umgang mit Hammer und Säge – doch das ist längst nicht alles.

Sie sind die Oberbaumeister: Birgit Blasberg und Oliver Scholten
Sie sind die Oberbaumeister: Birgit Blasberg und Oliver Scholten

Am 25. Mai feiert der „Baui“, wie das 3000 Quadratmeter große Gelände liebevoll genannt wird, sein Jubiläum mit einem großen Fest. Juliano kommt auf jeden Fall vorbei – „wie fast jeden Tag außer mittwochs und donnerstags, denn da habe ich lange Schule“, sagt der Zehnjährige. Für Juliano und seinen Kumpel Leredon ist der Bauspielplatz die erste Adresse, sobald die Schule aus ist oder ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. „Das ist viel besser als nur zu chillen und abzuhängen. Hier kann man sich Spielsachen zum Beispiel Fußbälle ausleihen, etwas bauen und freitags gibt es bei Birgit auch immer leckeres Essen.“

Wie eine große Familie

Birgit heißt mit Nachnamen Blasberg und ist seit über 20 Jahren eine der guten Seelen im Fuchsbau. „Das ist einfach meine Herzenssache. Ich gehöre hier einfach hin“, schwärmt die gelernte Erzieherin, sichtlich gerührt. „Die Kinder schätzen das Familiäre hier, genießen den Luxus, dass immer jemand für sie ansprechbar ist. Wir sind wie eine große Familie. Hier wird nicht gestritten - wir begegnen uns mit Respekt.“

Keine Berührungsängste: Die Mädchen und Jungen auf dem Baui lassen ihrer Kreativität freien Lauf.
Keine Berührungsängste: Die Mädchen und Jungen auf dem Baui lassen ihrer Kreativität freien Lauf.

„Und genau das ist auch das Erfolgsrezept des Bauspielplatzes“, ergänzt ihr Kollege Olli Scholten. Er stieß als Quereinsteiger vor rund dreieinhalb Jahren zum Baui-Team dazu, übernahm die Leitung von Urgestein Ulli Klein, der 33 Jahre Fuchs-„Bauherr“ war. Oliver Scholten war früher Landschaftsgärtner, ließ sich später zum Erzieher umschulen und schloss erst kürzlich sogar noch ein Studium der Sozialen Arbeit ab. Alles Qualifikationen, die auf dem Selbstentdecker-Areal Gold wert sind.

Hände weg vom Handy!

Während Nägel und Schippe hier gern gesehen sind, sind Handys auf dem Bauspielplatz unerwünscht. 1976, im Gründungsjahr, gab es diese schließlich auch nicht. Mamas und Papas sind trotzdem herzlich willkommen: Sie klönen und quatschen an den Tischen vor der Spielzone (ab hier nur Kinder!), gönnen sich einen Kaffee für `nen Euro und beobachten, wie sich ihre Kleinen im Alter von sechs bis 14 Jahren müde toben.

Einfach Kind sein

„Das ist hier so ein tolles Miteinander.“ –  „Ich bin schon als Mädchen mit meiner Mutter hier gewesen.“ – „Der Bauspielplatz ist eine super Anlaufstelle für Kinder, deren Eltern viel arbeiten oder sich nicht so kümmern können.“ – „Hier können die Kinder im geschützten Raum spielen.“ Solche Sätze fallen schnell im Gespräch mit den Erwachsenen am Baui  – in einer Umgebung, in der die Zeit ein Stück weit stehen geblieben scheint.

50 Jahre und kein bisschen leise: Natürlich haben Kettcar, Inliner und Tretroller Einzug gehalten, aber die Bretterbuden-Kultur der 70er-Jahre steht an der Fuchsstraße immer noch im Zentrum. „Die Kinder dürfen hier ihr Freispiel und ihre Kreativität entwickeln“, sagt Olli Scholten. „Ihr Alltag ist oft so durchgetaktet, hier dürfen sie einfach Kinder sein.“

Täglich (Mo-Fr 13-18 Uhr) nutzen 50 bis 60 Kinder das städtische Angebot. „Im Sommer sind es auch mal 100“, betont Scholten.

Wer lieber elegant durch die Freizeit rollt, kommt an der Fuchsstraße auch auf seine Kosten.
Wer lieber elegant durch die Freizeit rollt, kommt an der Fuchsstraße auch auf seine Kosten.

Dann ist so richtig Betrieb auf den Klettergerüsten, Schaukeln und vor der Spielzeugausleihe. Zwischen allerlei fahrbaren Untersätzen und Bällen jeglicher Farbe und Größe ist kaum ein Durchkommen. So soll es sein im Tobeparadies. Kinderherz was willst du mehr. Und selbst Schlechtwetterperioden bekommt das Fuchs-Team mit Indoor-Spielangeboten bestens überbrückt.

Lernen ohne Druck

Zu den Stammgästen gehört seit zweieinhalb Jahren auch Fatima. Die Zehnjährige packt vor allem gerne in der Küche und im Schrebergarten mit an, wo gerade Mini-Kürbisse und Zucchini vorgezogen werden. „Ich lerne hier viel über Pflanzen. Das ist echt cool.“

Auch darum geht es seit Jahrzehnten auf dem Bauspielplatz Fuchsstraße:  Erlebnispädagogik ohne Leistungsdruck. „Wir vermitteln viel und gerne – auch Sozialkompetenzen“, erklärt Olli Scholten. „Es ist einfach ein schöner Job.“

Auf dem Bauspielplatz behalten die Kinder den Durchblick.
Auf dem Bauspielplatz behalten die Kinder den Durchblick.
Über den Buden muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...
Über den Buden muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...
Abhängen ist hier wörtlich zu nehmen.
Abhängen ist hier wörtlich zu nehmen.
Spiel, Spaß, Spannung und manchmal auch Schokolade - der Bauspielplatz hat für jeden was dabei.
Spiel, Spaß, Spannung und manchmal auch Schokolade - der Bauspielplatz hat für jeden was dabei.

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