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125 Jahre hoch hinaus – DAV Duisburg feiert Jubiläum

Frank (48) ist Mitglied der integrativ-inklusiven Klettergruppe 4ALL.

Was haben 25 bergbegeisterte Duisburger aus dem Jahr 1901 mit einer integrativ-inklusiven Klettergruppe von heute gemeinsam? Beide verbindet die Lust, gemeinsam aufzubrechen, Neues zu entdecken und Grenzen zu überwinden. Genau das prägt die Geschichte der Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins seit 125 Jahren.

Als sich im Jahr 1901 die ersten Duisburger Alpenfreunde in einer Kneipe zusammenschlossen, war der Verein noch eine kleine Gemeinschaft und hatte sich eher dem Wandern und Feiern gewidmet. Den ersten Vorsitz übernahm der damalige Duisburger Oberbürgermeister Karl Lehr. 25 Menschen gehörten zur Gründung der Sektion. Aus dieser kleinen Gruppe entwickelte sich im Laufe von 125 Jahren eine der größten Sport- und Freizeitgemeinschaften der Stadt. Heute zählt die Sektion circa 9500 Mitglieder.

Gipfelkreuz auf dem Erzbunker

Der DAV Duisburg ist längst mehr als ein Verein für Menschen, die regelmäßig Höhenmeter erklimmen. Mountainbike, Skifahren, Naturschutz, Fotografie und viele weitere Aktivitäten gehören heute zum Vereinsleben. Ein besonderer Mittelpunkt ist dabei der Landschaftspark Duisburg-Nord. Hier wird seit Anfang der 90er-Jahre Bergsport mitten in einer Industriekulisse betrieben. Mit 7000 Quadratmetern kletterbarer Wandfläche und über 800 Routen wurde ein Teil der Erzbunkeranlage des stillgelegten Hüttenwerks Meiderich zur größten Outdoor-Kletteranlage Deutschlands umgewandelt. Sogar Eisklettern ist möglich. „Und wir haben ein eigenes Gipfelkreuz“, betont Volker Schreiber, Sprecher der Duisburger Sektion, und zeigt hoch zum „Monte Thysso“. Zum Jubiläum möchte der Verein dort ein digitales Gipfelbuch hinterlegen. Gipfelstürmer können sich oben angekommen via QR-Code verewigen.

Klettern in alter Industriekulisse: Das Angebot im Landschaftspark Duisburg-Nord ist einzigartig.
Klettern in alter Industriekulisse: Das Angebot im Landschaftspark Duisburg-Nord ist einzigartig.

Die Duisburger Bergfreunde strotzen also auch nach 125 Jahren noch vor Ideen. Eine der bemerkenswertesten Initiativen der vergangenen Jahre war die Gründung der Gruppe 4ALL (For all). Initiatorin Sandra Schürmann berichtet: „Wir haben im September 2024 angefangen, einen Klettertreff für Menschen mit Behinderungen, aber auch für Menschen mit Migrationshintergrund anzubieten.“ Damit richtet sich das Angebot an Zielgruppen, die im Verein bislang noch unterrepräsentiert waren. Einmal im Monat wird nun gemeinsam geklettert – im Winter in der Halle in Mülheim: „Jeder, solange er kann und nach seinem eigenen Tempo“, sagt Schürmann.

Das Klettern hat mich als Mensch verändert.
(Frank, 48 Jahre, Mitglied von 4ALL)

Frank ist seit den Anfängen dabei. Seine Geburt vor 48 Jahren war mit schweren Komplikationen verbunden. Sauerstoffmangel. Dadurch hat Frank eine Spastik. Aber auch einen unbändigen Willen, steile Wände zu besteigen. „Das Klettern hat mich als Mensch verändert. Ich bin viel offener geworden und habe gelernt, mir selbst zu sagen: Ich kann was! Auch wenn die Gesellschaft mich als Behinderten schnell stigmatisiert.“ Inzwischen unterstützt Frank sogar die Trainer, hat einen Sicherungsschein mit Bravour absolviert und gibt sein neu gewonnenes Selbstvertrauen weiter.

4ALL hat sich 2024 gegründet - sie ist für Nichtbehinderte und Behinderte gleichermaßen eine offene Gruppe.
4ALL hat sich 2024 gegründet - sie ist für Nichtbehinderte und Behinderte gleichermaßen eine offene Gruppe.

Von Duisburg zu den Special Olympics?

Sein Kollege Jochen ist dabei ein alter Hase im Klettersport. Der 75-Jährige hangelt sich schon seit 51 Jahren in die Höhe. Doch vor drei Jahren änderte sich sein Leben abrupt. „Ich bin gestürzt, erlitt eine Gehirnblutung und lag vier Monate im Krankenhaus.“ Seitdem ist ein Rollator sein ständiger Begleiter. Aber nicht, wenn er das Klettergeschirr anzieht. „Beim Klettern fühle ich mich eigenartigerweise sicher.“  

Auch Nachwuchsalpinist Timo findet in der Steil- und Schräglage seine Erfüllung. Der 16-Jährige kam mit dem Prader-Willi-Syndrom zur Welt und kämpft mit einer Muskelschwäche. „Aber das Klettern in dieser tollen Gruppe hilft und stärkt ihn“, erzählt Timos Mutter. Demnächst nimmt der Schüler sogar in Köln-Chorweiler an einem Qualifizierungswettbewerb für die Special Olympics teil.

Geschichten, die bewegen. Geschichten, die zeigen, dass 125 Jahre Vereinsgeschichte auch 125 Jahre Vielfalt bedeuten. Die Duisburger Sektion bringt die Faszination des Bergsports eben dorthin, wo die Menschen leben. Wer klettern möchte, muss dafür nicht erst in die Alpen fahren. Wer wandern möchte, findet Angebote in der Region – man schaue nur die Halden hoch. Und bei aller Tieflage – die Nordparkhütte liegt gerade einmal 26 Meter über dem Meeresspiegel - gehört mit der Duisburger Hütte in den Hohen Tauern auch ein Stück Alpen auf 2572 Metern zur Sektion.

Sandra Schürmann hat 4ALL ins Leben gerufen.
Sandra Schürmann hat 4ALL ins Leben gerufen.

Jubiläumsfeier in der Gebläsehalle

Aus dem gemeinsamen Wunsch, die Berge zu erleben, sind inzwischen viele Wege geworden, die Menschen miteinander verbinden. Und selbst wenn es zunächst nur ganz praktische Anreize sind, die Leute dazu motivieren, DAV-Mitglied zu werden: „Unsere Mitglieder haben natürlich auch Versicherungsschutz: Auslands-, Unfall-, Sporthaftpflicht- und Hütten-Reisegepäckversicherung“, zählt Volker Schreiber auf. „Und sie sind berechtigt, selbst bei Überbelegung auf Berghütten zu nächtigen.“

Bis in den Abend hinein feiert die DAV Sektion Duisburg sich schon selbst: Am Samstag, 10. Oktober 2026, steigt die Jubiläumsparty in der Gebläsehalle im Landschaftspark. Von 10 bis 16 Uhr ist die Veranstaltung öffentlich und kostenlos. Besucherinnen und Besucher können die verschiedenen Gruppen der Sektion kennenlernen, sich beim Probeklettern selbst an der Wand versuchen, an Mitmachaktionen teilnehmen und Fachvorträge besuchen. Auch für Kinder gibt es Angebote.

Am Abend geht die Feier weiter. Unter anderem sind ein Festvortrag von DAV-Präsident Roland Stierle, Vorträge und Podiumsgespräche sowie der Buchautor Peter Brunnert als Special Guest angekündigt. Oberbürgermeister Sören Link lässt es sich als Schirmherr nicht nehmen, ebenfalls vorbeizuschauen.


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