Anfang März begann der Umbau der Friedrich-Wilhelm-Straße im Abschnitt zwischen Hohe Straße und Düsseldorfer Straße. Die wichtige innerstädtische Achse – Friedrich-Wilhelm-Straße – verbindet den Bahnhof mit der Innenstadt, bedeutende Duisburger Museen und den Immanuel-Kant-Park.
Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt (IHI) wurde das Ziel formuliert, die Friedrich-Wilhelm-Straße durch die Umgestaltung des Straßenraumes in einen Boulevard zu verwandeln, ohne die Verkehrsleistungsfähigkeit einzuschränken, das Gestaltungspotenzial der Straße jedoch zu nutzen. Das IHI wurde im Sinne eines „städtebaulichen Entwicklungskonzeptes“ für die weitere Cityentwicklung und die Umsetzung des „Masterplans zur Entwicklung der Duisburger Innenstadt“ beschlossen.
In Vorbereitung der Bauarbeiten wurden zunächst die Bäume in diesem Abschnitt gefällt. Der vorherige Baumbestand beinhaltete unterschiedliche Baumarten wie Ahorn, Eiche und Götterbaum mit teilweise schlechter Vitalität. Auf Grund schlechter Bodenverhältnisse und der zum Teil nicht standortgerechten Baumart war eine gesunde Entwicklung des Baumbestandes nicht mehr möglich. Eine ausgleichende Neubepflanzung mit einer standortgerechten und langlebigen Baumart bildete den Abschluss der Arbeiten an diesem Abschnitt.
Die Baumaßnahme sieht eine Umgestaltung und Neuaufteilung des Verkehrsraumes der Friedrich-Wilhelm-Straße vor und knüpfte so an den abgeschlossenen Umbau der Kreuzung Mercatorstraße und Friedrich-Wilhelm-Straße an. Ziel war es, einen Boulevard mit verbesserter Aufenthaltsqualität im Norden auszubilden, eine Bewegungszone an der südlichen Straßenkante zu erarbeiten und die Wegebeziehungen zwischen Innenstadt und Immanuel-Kant-Park zu stärken. Der Verkehr sollte im bestehenden Straßenraum neu organisiert werden.
Für Fußgänger und Radfahrer wurden die Querungsmöglichkeiten zwischen Innenstadt und Immanuel-Kant-Park über die Friedrich-Wilhelm-Straße verbessert. Weiterhin sollte ein einheitliches Gestaltungs- bzw. Begrünungskonzept in diesem wichtigen innerstädtischen Straßenraum entstehen.
Detaillierte Beschreibung der Umgestaltungsvorhaben:
Motorisierter Verkehr
Der motorisierte Individualverkehr (MIV) erhält je Fahrtrichtung eine ausreichend bemessene Fahrspur. Infolge der Umorganisation des Straßenraums wird der Lärmschutz für Anwohner durch das Abrücken des MIV-Streifens von der Gebäudekante verbessert und die Immissionen damit verringert. Die Belange des ÖPNV werden beidseitig durch einen separaten Bussonderstreifen erfüllt. Der nordöstlich vorhandene Haltestellenbereich (Haltestelle Tonhallenstraße) wurde in den Abschnitt Mercatorstraße – Hohe Straße verlagert und in der dortigen Maßnahme realisiert. Die Haltestellen „Lehmbruck Museum“ werden erneuert. Die südliche Haltestelle im Bereich des Knotenpunktes Düsseldorfer Straße ist Bestandteil dieser Umbaumaßnahme.
Radverkehr
Die Radverkehrsführung im Umgestaltungsgebiet erfolgt zukünftig in beide Richtungen über den geplanten Bussonderstreifen, der damit eine doppelte Funktion übernimmt. In der Vergangenheit waren bisher keine gesonderten Anlagen für den Radverkehr vorhanden. Eine Führung der Radfahrer auf der Bussonderspur stellt gegenüber der vorherigen Situation eine deutliche Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrer dar. Gemäß der aktuellen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) hat die Radverkehrsführung auf Bussonderfahrstreifen den Vorteil der zügigen Befahrbarkeit und der Vermeidung von Konflikten mit ein- und aussteigenden Fahrgästen an Haltestellen.
Parkplätze
Aktuell befinden sich in dem Abschnitt rund 77 Parkplätze. Insgesamt werden im Rahmen der Neuplanung 58 Parkplätze in Längs- und Schrägaufstellung, zwei Behindertenparkplätze und drei Motorradparkplätze entstehen. Im Planbereich sind in vier Bereichen Flächen für den Anlieferungsverkehr sowie drei Standorte für Fahrradbügel vorgesehen. Die Flächen für Anlieferungsverkehr führen zu einer weiteren Kompensation der weggefallenen Parkplätze.
Elektromobilität
Die Planung sieht drei Standorte für Elektroladesäulen vor. Ein möglicher Standort ist in der Tonhallenstraße vorgesehen. Zwei weitere befinden sich im Bereich der Mittelparkstände in Höhe der Vom-Rath-Straße.
Sicherheit und Komfort
Der Mittelbereich umfasst zukünftig folgende Funktionen: Querungsbereich, Begrünung, Bäume, Parken und Möglichkeit für Kunst im öffentlichen Raum. Die Parkenden haben die Möglichkeit das Auto zu verlassen ohne dabei auf die Fahrbahn zu gelangen. Die neu gestaltete Mittelzone ermöglicht ein komfortableres und sicheres Verlassen /Einsteigen in das Auto als bisher, da die Mittelzone über ausreichend bemessene Zuwegungen zu den zentralen Querungsstellen verfügt. Durch die geplanten gepflasterten Gehwegüberfahrten des Boulevards wird die Sicherheit der Fußgänger an den Querungsstellen an der Lenzmannstraße, Claubergstraße und der Vom-Rath-Straße optimiert.
Grün- und Freiraum
Mit einem neuen Pflanzkonzept sollen die städtebaulichen Gestaltungsziele für die Friedrich–Wilhelm-Straße unterstützt werden. Hierbei war neben der Neuordnung des Verkehrs insbesondere die Adressbildung durch eine einheitliche Gestaltung des Straßenraumes Ziel der Planung. Auf Grund der bestehenden Straßenführung und vorhandener Versorgungsleitungen ist die Pflanzung von Bäumen nur in dem bereits heute vorhandenen Mittelstreifen möglich. Die Gestaltung der Mittelinsel und Anordnung der Baumstandorte war nicht einheitlich. Dadurch wirkte der Straßenraum ungegliedert. Der Gestaltungsentwurf für die Friedrich-Wilhelm-Straße sieht eine einreihige Baumpflanzung großkroniger Laubbäume und die Pflanzung von Heckenelementen zwischen den einzelnen Baumstandorten vor. Die Heckenelemente betonen durch ihre Anordnung die lineare Gestaltungssprache und bilden zusätzlich einen Schutz gegen das Überqueren der Straße außerhalb der Straßenübergänge.
Für farbige Akzente im Frühjahr sorgen Zwiebelpflanzungen innerhalb der Rasenflächen. Die Straßenquerungen zwischen Immanuel-Kant-Park, Museum und der Innenstadt werden durch eine großzügige Gestaltung und Staudenmischpflanzungen aufgewertet. Das Aufstellen von Kunstobjekten wäre in den platzartig aufgeweiteten Flächen ebenfalls möglich.
Baumpflanzung
Im Rahmen der Entwurfsplanung wurden auch die Möglichkeiten einer doppelreihigen, sowie einer alternierenden Baumpflanzung geprüft. Eine doppelreihige Pflanzung ist auf Grund des zur Verfügung stehenden Pflanzraumes nicht möglich. Eine alternierende Baumpflanzung hätte auch dem Ziel des Erhalts von möglichst vielen Parkplätzen entgegengestanden. Ebenfalls geprüft wurde der Erhalt des aktuellen Baumbestandes. Auf Grund schlechter Bodenverhältnisse und der zum Teil nicht standortgerechten Baumart war eine gesunde Entwicklung des heutigen Baumbestandes aus Sicht der zuständigen Fachbereiche überwiegend nicht mehr möglich. Eine einheitliche Gestaltung des Straßenbildes wäre ebenfalls ausgeschlossen und das Planungsziel somit nicht erreicht. Aus diesen Gründen ist eine konsequente Neubepflanzung mit einer standortgerechten und langlebigen Baumart geplant. Der Gestaltungsbeirat der Stadt Duisburg unterstützt in seiner Beratung diese Vorgehensweise.
Die geplante Baumart Tilia tomentosa “Szeleste“ (Ungarische Silberlinde) ist durch ihre Größe, den geraden Stamm und die regelmäßig aufgebaute, breite, kegelförmige Krone ein idealer Baum für breite Straßenräume. Außerdem verträgt die Baumart sonnige, trockene und befestigte Standorte. Die Silberlinde ist unempfindlich gegenüber Frost, Wind und Streusalz. Mit ihrer Blüte ist die Linde im Juli zusätzlich ein wertvoller Baum für Bienen, Schmetterlinge und Falter. Die Sorte “Szeleste“ hat gegenüber anderen Linden keinen Blattlausbefall (Honigtauabsonderung) und kann somit hervorragend im Bereich von Parkplätzen gepflanzt werden. Die Gartenamtsleiterkonferenz bewertet die Ungarische Silberlinde auf Grund ihrer Eigenschaften als gut geeigneten Straßenbaum.
Heckenpflanzung
Die Hecke, mit einer maximalen Höhe von 1,20 Meter, verhindert das Überqueren der Straße außerhalb der Übergänge und schützt Fußgänger und Autofahrer. Durch die geringe Höhe bleibt die Gestaltung dennoch offen und transparent. Als Heckenpflanze ist die Baumart Carpinus betulus (Hainbuche) vorgesehen. Die Hainbuche behält ihr Laub oft bis zum Frühjahr und ist durch das rot-braune Laub auch im Winter attraktiv. Außerdem ist sie stadtklimafest und gut schnittverträglich. Die Heckenelemente haben neben der gestalterischen auch eine wichtige ökologische Funktion, denn die Hainbuche filtert sehr effektiv Feinstaub, Stickoxide und Ozon.