Duisburg liest!

Hier bekommen Sie Empfehlungen aus erster Hand! Unsere Mitarbeitenden stellen regelmäßig neue oder wiederentdeckte Titel vor – unbedingt lesenswert!

Eva Schmelnik-Tommes, Leiterin des Lektorats, empfiehlt:

J. Jacobus Voskuil: Das Büro – Direktor Beerta, C.H. Beck, 2012, 845 S.
 
Da habe ich mir was vorgenommen: „Direktor Beerta“ umfasst über 800 Seiten und ist der erste von insgesamt sieben Bänden von „Das Büro“, die auch nicht dünner sind. Ab 1996 erschien nach und nach die autobiographisch gefärbte Chronik über den Büroalltag in einem Institut für Volkskunde in den Niederlanden, die deutsche Übersetzung folgte mit zehnjähriger Verzögerung.
Neue Kollegen, die kritisch beäugt werden und reihenweise scheitern, Neid und Protektion, Smalltalk und die kleinen Fallstricke, aber auch Freuden des Alltags. Das sind die dialogreich und minutiös geschilderten Themen, um die es Tag für Tag geht.  Faszinierend ist das antiquierte Ambiente der späten 50er Jahre bis in die 60er in Amsterdam.  Warum nur, frage ich mich, übt die Erzählung so einen Sog aus? Was fesselt die Leser an den Berichten über langweilige Konferenzen und die Arbeit an einem Volkskundeatlas über Wichtelmännchen so sehr, dass es sogar einen Fanclub gibt?  Bei mir ist es das gute Gefühl, den Protagonisten Maarten Koning Tag für Tag auf seinem morgendlichen Weg ins Büro begleiten zu dürfen,  den Pförtner zu begrüßen, das Butterbrot in die Schreibtischschublade zu legen und dann den Arbeitsalltag mit all seinen Kuriositäten und Absurditäten mitzuerleben. Zwischen den Zeilen blitzt subtiler, schräger Humor hervor. Und immer möchte ich wissen, wie es am nächsten Tag weitergeht. „Das Büro“ ist eine Daily Soap zum Lesen. Zum Glück sind ja noch sechs Bände übrig. Wer Loriot mag und keine Angst vor dicken Büchern hat, sollte mit ins Büro gehen!