Vom Arbeiterquartier zum Denkmal
Wenn ihr durch die Straßen der Siedlung Rheinpreußen spaziert, lauft ihr mitten durch ein echtes Kapitel Duisburger Geschichte. Um 1903 erbaut, diente die denkmalgeschützte Wohnsiedlung den Bergleuten der Zeche Rheinpreußen als Zuhause. Die Vorgaben waren streng: Ein Kolonieverwalter kontrollierte Häuser, Straßen und Gärten. Für Ordnung gab es sogar Belohnungen.
Doch der selbstbestimmte Charakter der Menschen, die in der Siedlung lebten, war nicht gebrochen. Er zeigte sich nach dem Niedergang des Bergbaus ab den 1960ern. Als bereits 1.200 Wohnungen abgerissen waren und das Gelände für Hochhäuser weichen sollte, wehrten sie sich mit Protesten, mit Presse und mit Hungerstreiks. Die Rettung der Siedlung wurde zur Bürgerbewegung und verhinderte tatsächlich – und zum großen Glück – den Abriss der bis dahin rund 550 verbliebenen Häuser.
1979 kaufte die Stadt Duisburg das Areal. Heute ist es nicht nur gerettet, sondern auch ziemlich beliebt! Sehr viele Menschen wollen eines der geschichtsträchtigen und besonderen Häuser ergattern und darin leben. Denn wenn ihr genau hinseht, fällt euch schnell auf: In der Siedlung Rheinpreußen gleicht kaum ein Haus exakt dem anderen. Und das ist kein Zufall.
Die Siedlung wurde bewusst abwechslungsreich geplant – trotz einheitlicher Baumaterialien wie Backstein, Holz und Naturstein. Die Häuser haben für verschiedene Funktionen unterschiedliche Formate: Es gibt Einfamilienhäuser, Doppelhäuser mit Garten oder Eckhäuser mit Aussicht. Achtet auch auf die Details, wie die Fensterläden, Ziermauerwerk oder die Hausnummern aus Gusseisen, vieles ist noch original! Die Siedlung ist ein lebendiges Denkmal – und ein Teil der Route der Industriekultur.