History


Referat für Integration

Integrationspolitischer Prozess

Rat der Stadt beschließt Einleitung des integrationspolitischen Prozesses

Im Frühjahr 2005 wurde auf Anregung der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Duisburg und mit Unterstützung des Beirates für Zuwanderung und Integration die Grundlage für einen gesamtstädtischen integrationspolitischen Prozess gelegt. Der Oberbürgermeister wurde mit Ratsbeschluss vom 09. Mai 2005 beauftragt, den Prozess zur Erarbeitung eines Integrationskonzeptes für Duisburg einzuleiten. Als erster Schritt wurde in Abstimmung mit der Arbeitgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege Duisburg und unter Einbeziehung der Kommunalpolitik, des Beirates für Zuwanderung und Integration, der verschiedenen Fachbereiche der Verwaltung sowie Vertretern der Migrantenselbstorganisationen im Herbst 2005 eine "Integrationskonferenz für Duisburg" einberufen.

Integrationskonferenzen

Die erste Integrationskonferenz am 26. November 2005 war der Auftakt eines gesteuerten und koordinierten Prozesses, mit der Zielsetzung, ein ganzheitliches integrationspolitisches Handlungskonzept für Duisburg zu erarbeiten. Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Verwaltung, Migrantenselbstorganisationen, Gruppen, Bürgerinnen und Bürger, die in zehn Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen an dem Integrationskonzept arbeiteten. An dieser Arbeitsphase, die auf der Grundlage des basisdemokratischen Gedankengutes aufbaute, beteiligten sich mehr als 200 Personen. Die zehn Arbeitsgruppen haben bis November 2006 getagt und einen Abschlussbericht erarbeitet, der eine Analyse des Vorhandenen, bestehende Bedarfe und eine Vielzahl von Anregungen, Ideen, Maßnahmen und Empfehlungen beinhaltet.

Referat für Integration steuert weiteren Prozess

Der Abschlußbericht wurde dem Beirat für Zuwanderung und Integration sowie dem Rat der Stadt vorgelegt. Das im Sommer 2007 neu gegründete Referat für Integration wurde beauftragt, den begonnenen integrationspolitischen Prozess fortzuführen. In zwei Mitteilungsvorlagen hat das Referat für Integration die weiteren Schritte beschrieben (DS Nr. 07-1684 und DS Nr. 08-0105). Neben den Empfehlungen der Integrationskonferenzen waren die Ergebnisse des Sozialberichtes 2007 für das Integrationsreferat wegweisend. Der Bericht hob deutlich die Notwendigkeit der Verbesserung der sozialen Bedingungen von Zuwanderern hervor.
Über die Entwicklungen und den aktuellen Stand des integrationspolitischen Prozesses informierte das Integrationsreferat im Februar und August 2008 den Lenkungsausschuss. Der Lenkungsausschuss ist ein Gremium, das eigens für die Begleitung des integrationspolitischen Prozesses mit Ratsbeschluss vom 30.03.2006 gegründet wurde (DS-Nr.05-3142).

Empfehlungen werden aufbereitet - Fachämter entwerfen Projekte

Die zahlreichen Ideen und Anregungen der Integrationskonferenzen wurden aufbereitet, mit Ziel- und Zeitvorgaben versehen und den verantwortlichen Adressaten zugeordnet (DS Nr. 08-0105/1). Wissenschaftlich begleitet und unterstützt wurde das Referat dabei von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. (GISS). Sie hatte den Sozialbericht 2007 verfasst und war somit mit der Sozialstruktur der Stadt Duisburg vertraut.
Im April 2008 wurde der Startschuss zur ämter- und ressortübergreifenden Arbeit an der Planung von konkreten Projekten zur Umsetzung der Konferenzempfehlungen gegeben. Unter Federführung des Referates für Integration wurde die Arbeitsgruppe AG Integration eingerichtet. Sie wurde zunächst auf die Verwaltung beschränkt, denn rund drei Viertel der Empfehlungen richten sich an städtische Ämter und Institute.
Die AG Integration initiierte die Bildung von sechs Arbeitsgruppen zu den Themen Bildung, Gesundheit und Soziales, Wohnen und Stadtentwicklung, Wirtschaft und Beschäftigung, Sport, Kultur und Bezirke und Querschnittsaufgaben. Die sechs Arbeitsgruppen wurden mit Experten der Fachabteilungen besetzt. Sie erarbeiteten bis Ende September 2008 konkrete Projekte und Maßnahmen zur Umsetzung der Empfehlungen der Integrationskonferenzen.
Das Referat für Integration koordiniert und steuert den Arbeitsprozess dieser Arbeitsgruppen und liefert die integrationsspezifischen Kriterien in diesem Prozess, der ebenfalls Teil der interkulturellen Ausrichtung der Verwaltung ist.

Integrationsprogramm 2008 / 2009 - neue Impulse für Duisburg

Die verwaltungsinternen Arbeitsgruppen haben über 60 konkrete Maßnahmen und Projekte zutage gebracht und zahlreiche Kooperationen vereinbart. Mit diesen Maßnahmen erhält die Integrationsentwicklung in Duisburg neuen Auftrieb. Im "Integrationsprogramm 2008 / 2009" sind alle Maßnahmen und Projekte, die im Jahr 2009 / 2010 umgesetzt werden, aufgeführt. Beschrieben sind darin auch die Ziele und das Vorgehen des Referats für Integration auf dem Weg zu einer erfolgreichen Integration in der Duisburger Stadtgesellschaft. Das "Integrationsprogramm 2008 / 2009" wurde im Beirat für Zuwanderung und Integration und in den einschlägigen Ausschüssen des Rates beraten und diskutiert. Im Sommer 2009 befragte das Referat für Integration die einzelnen Fachämter zum Stand ihrer jeweiligen Projekte und Maßnahmen aus dem Integrationsprogramm.
Die Abfrage ergab: Von den insgesamt 61 Projekten wurden umgesetzt 15 (24,6 %) laufen derzeit noch 28 (45,9 %) sind trotz Probleme umsetzbar 12 (19,7 %) konnten nicht umgesetzt werden 6 (9,8 %) Im Austausch mit den zuständigen Ämtern informiert sich das Referat für Integration über den Entwicklungsstand und Erfolg der einzelnen Projekte.

Das Duisburger Integrationskonzept

Aufbauend auf den Überlegungen des Integrationsprogramms erarbeitete das Referat für Integration ein Konzept für die Integrationsarbeit der Stadt Duisburg. "Das Duisburger Integrationskonzept"  benennt sowohl die theoretischen Grundlagen als auch konkrete Ziele und Schwerpunkte der Arbeit des Referats. Damit erhält die Integrationsarbeit in Duisburg ein zukunftsweisendes Fundament und das Konzept verdeutlicht, wie sich die Stadt Duisburg das Zusammenleben in Duisburg vorstellt. In 2010 befasst sich die Stadtverwaltung mit ausgesuchten Schwerpunktthemen und arbeitet kontinuierlich an ihnen weiter. Für die Zukunft wird man sich von der Struktur einer reinen Abarbeitung der Handlungsempfehlungen aus den Integrationskonferenzen lösen. Dieser Arbeitsschritt war erforderlich gewesen, weil sich ein Großteil der Handlungsempfehlungen an die städtische Verwaltung richtete. Nunmehr wird das Augenmerk darauf gerichtet sein, auch verwaltungsexterne Akteure der Integrationsarbeit - wie z.B. Wohlfahrtsverbände und MSO's stärker einzubinden. Denn nur durch einen breiten gesellschaftlichen Konsens kann Integration gelingen.

Interkulturelle Urbanität ist Querschnittsaufgabe

Im Rahmen der strategischen Ausrichtung durch das Stadtentwicklungsprojekt Duisburg2027 ist die "interkulturelle Urbanität als Querschnittsaufgabe" als ein strategisches Leitziel der Stadtverwaltung beschlossen worden. Das Referat für Integration und das Projektteam Duisburg 2027 führten im Sommer 2009 eine Dialogkonferenz mit dem Thema "Integration und Stadtentwicklung - Wie wollen wir 2027 zusammen leben, wohnen und arbeiten?", durch.
Nach dem Vorbild der Bürgerforen, in denen Bürger ihre Vorstellungen und Wünsche an die Stadtentwicklung formulieren, standen in dieser Konferenz Vorstellungen und Wünsche von Zuwanderern im Mittelpunkt. Beteiligt waren an der Konferenz Vertreter der freien Wohlfahrtspflege, der Migrantenselbstorganisationen, der Bürgerforen sowie der städtischen Verwaltung. Ausgehend von den Impulsen der Konferenzeilnehmer hat das Referat für Integration gemeinsam mit dem Projektteam Duisburg 2027 Leitlinien zur interkulturellen Urbanität erarbeitet. Die Leitlinien wurden Ende März vom Rat der Stadt verabschiedet und finden Eingang in die Arbeit der am Projekt Duisburg 2027 beteiligten Ämter (DS -09-1668 ). Die Leitlinien konzentrieren sich auf sechs Merkmale und Voraussetzungen einer interkulturellen Stadtgesellschaft. Entfalten sich diese Voraussetzungen, profitiert die gesamtstädtische Entwicklung davon. Das Papier enthält auch Beispiele dafür, wie die Leitlinien in die Praxis umgesetzt werden können.

Interkulturelle Standards

In den vergangenen drei Jahren wurde der integrationspolitische Prozess in Duisburg stetig weiterentwickelt. Ein Großteil der Empfehlungen der Integrationskonferenzen befinden sich in der Umsetzungsphase bzw. sind bereits umgesetzt. Nun ist es entscheidend, dass weitere wichtige Schritte folgen, um den Integrationsprozess zu vertiefen und weiterzuentwickeln.
Daher hat das Referat für Integration gemeinsam mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände, Verantwortlichen aus der Verwaltung sowie Experten aus den Migrantencommunities Definitionen für eine einheitliche Sprachregelung sowie interkulturelle Standards entwickelt. Ziel ist es, allen Duisburger Akteuren im interkulturellen Bereich eine gemeinsame und einheitliche Grundlage zu bereiten, um die Integrationsarbeit stadtweit vergleichbar und messbar zu gestalten. Entwickelt wurden Interkulturelle Standards für die Bereiche Organisation, Personal, Angebote und Vernetzung/Kooperation . Die Standards wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Projektgruppe in die jeweiligen Organisationen hineingetragen und die Form ihrer Umsetzung geklärt. Bei einem weiteren Treffen der Projektgruppe im Herbst 2010 konnten bereits erste Praxiserfahrungen ausgetauscht werden. 

Interkulturelle Kompetenz

Eine zentrale Rolle im Prozess der interkulturellen Ausrichtung hat die Vermittlung von interkultureller Kompetenz im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen des Personals. Die Bedeutung von konstruktivem und kompetentem Umgang mit kultureller Vielfalt und unterschiedlichen Milieus wird in den kommenden Jahren zunehmen und zu einer Schlüsselqualifikation im Arbeitsalltag werden. Gemeinsam mit der Personalverwaltung hat das Referat für Integration daher ein Konzept zur Fortbildung interkultureller Kompetenzen erarbeitet. Auf dieser Grundlage fand ein Pilotprojekt mit Auszubildenden der Stadt Duisburg statt. Voraussichtlich im Herbst 2011 starten Fortbildungsreihen, die sich an Führungskräfte, an den Personalrat und an Beschäftigte mit direktem Bürgerkontakt richten. An diesen Fortbildungen sollen künftig flächendeckend alle Beschäftigte der Kernverwaltung teilnehmen.
Interkulturelle Kompetenz als Qualitätsmerkmal soll ebenfalls ein Kriterium bei der Auswahl von Auszubildenden, bei Neueinstellungen und Beförderungen werden.
Die Universität Duisburg-Essen plant, das Fortbildungsprogramm mit finanzieller Unterstützung eines Sponsors (Stiftung) wissenschaftlich zu begleiten.

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für interkulturelle Belange

Zur Unterstützung des Prozesses der interkulturellen Ausrichtung der Verwaltung werden bei der Stadt Duisburg im Herbst 2011 Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für interkulturelle Themen benannt. Dieses Vorgehen hat der Rat der Stadt in seiner Sitzung am 30. Mai 2011 entsprechend beschlossen. Die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für interkulturelle Belange sollen die Umsetzung der Leitziele der interkulturellen Urbanität unterstützen, den integrationspolitischen Prozess begleiten, Fort- und Weiterbildungen initiieren und den Informationsaustausch sicherstellen. Die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner stehen in regelmäßigen Kontakt zum Referat für Integration.

Weitere Gestaltung des integrationspolitischen Prozesses

Die Duisburger Integrationsbefragung, die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Konferenzen, die Dialogkonferenz und die fortlaufende Sozialberichterstattung liefern zahlreiche Erkenntnisse über den Zustand von Integration in Duisburg, über das Erreichte und über Herausforderungen und Aufgaben, die zu bewältigen sind. Das Referat für Integration hat die Ergebnisse dieser Studien und Konferenzen analysiert und besonderen Handlungsbedarf in den Bereichen "Qualifizierung / Bildung", "Orte der Begegnung" und "Dialog / Partizipation" festgestellt. Die Arbeit des Referats für Integration wird sich in der kommenden Zeit schwerpunktmäßig auf diese Bereiche konzentrieren. Auch wird die Umsetzung der vielen einzelnen Schritte zur interkulturellen Ausrichtung der Stadtverwaltung weiterhin ein Schwerpunktthema für das Referat für Integration darstellen. Dieses gilt es im gemeinsamen Schulterschluss mit allen städtischen Verantwortungsbereichen zielgerichtet und positiv voranzubringen