Konzert
Der Abgrund unter dem Tanzboden
Gustav Mahler
Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn"
Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Gustav Mahler ist der große Jubilar dieser Spielzeit. Auf den 150. Geburtstag im Juli 2010 folgt im
Mai 2011 der 100. Todestag. Damit ist zugleich ein Komponistenleben umrissen, das nur wenig
mehr als 50 Jahre währte - ein Leben, das an Triumphen so reich war wie an Rückschlägen, ein
Leben an der Schwelle von Romantik und Moderne. Sein Zentrum hatte es im Wien des Fin de
siècle, in dessen brodelndem Kulturklima sich schneidiger Militarismus, Operettenseligkeit und
geistig-künstlerische Aufbruchsstimmung auf einzigartige Weise mischten. All das spiegelt sich
in Mahlers Liedern und Sinfonien, deren zuweilen naiver Volkston psychologisch gebrochen ist:
Unter dem Tanzboden öffnet sich der Abgrund. So ist es auch in den Liedern, die Mahler nach
Texten der romantischen Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" komponierte. Da steht schlichte
Frömmigkeit neben burleskem Humor, da wechselt flüsterndes Liebesgeplänkel mit dem Aufmarsch
eines nächtlichen Geisterheeres.
Ein idealer Interpret dieser Gesänge ist der Tenor Christoph Prégardien, den die Duisburger Philharmoniker
als "Artist in Residence" gewinnen konnten. Er hat im lyrischen Tenorfach an bedeutenden
Opernhäusern gesungen und wird als stilistisch versierter Interpret der großen Oratorien-Literatur
weltweit geschätzt. Seine besondere Liebe gilt indes dem romantischen Kunstlied, dem er mit
sprachlicher und gesanglicher Nuancierungskunst ein Höchstmaß an Stimmungen und Zwischentönen
abgewinnt. Bei Mahler ist der Mikrokosmos des Liedes nahtlos mit dem Makrokosmos der
Sinfonie verbunden; das eine ist die Keimzelle des anderen. So lebt auch im Inneren der hochdramatischen
"Fünften" ein schlichtes Lied: Das seidige "Adagietto" wurde durch die Verwendung in
Luchino Viscontis Film "Tod in Venedig" unsterblich.

