Ballett am Rhein: b.08
Dauer b.08: ca. 2 Stunden 15 Minuten, zwei Pausen
Streichquartett - Martin Schläpfer
"Eine abstrakte, hochmusikalische, sensible Deutung von komplexer, zeitgenössischer Musik - und das mit den Ausdrucksmitteln des klassischen Balletts. Die erweitert Schläpfer regelmäßig um so viel eigenwilliges Bewegungsvokabular, dass seine Stücke zwar mit dem ästhetischen Reiz der klassisch-romantischen Ballett-Tradition spielen, aber sich durchaus dem Anspruch auf Zeitgenossenschaft stellen", schrieb die Stuttgarter Zeitung nach der Uraufführung von "Streichquartett". Für seine erste Auseinandersetzung mit dem Komponisten Witold Lutos?awski - 2005 von ballettmainz uraufgeführt, 2006 ins Repertoire des Niederländischen Nationalballetts Amsterdam aufgenommen und nun mit dem Ballett am Rhein zu erleben - erhielt Martin Schläpfer den renommierten Prix Benois de la Danse.
Neben der formalen Stringenz ist es vor allem die äußerste Expressivität des Klanggeschehens, die Lutos?awskis Streichquartett zu einer der eindrücklichsten Partituren des bedeutenden polnischen Komponisten macht. Der auf dem Höhepunkt explodierende, aber auch in den anderen Passagen unterschwellig stets vorhandene katastrophische Grundton spielt auch in Martin Schläpfers Choreographie eine zentrale Rolle. Immer wieder lässt der Choreograph Passagen, die dem puren Tanz verpflichtet sind, aufbrechen in eine Körperlichkeit, die etwas zutiefst Beunruhigendes hat, immer wieder kippt die Harmonie des schwerelosen, neoklassischen Tanzens hinüber in Verknotungen und eigenwillige Posen, schwebende Selbstvergessenheit in stählerne Härte - Momente von einer Suggestivkraft und Magie, denen man sich nicht entziehen kann.
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STREICHQUARTETT
Martin Schläpfer
MUSIK
Streichquartett von Witold Lutos?awski
Choreographie Martin Schläpfer
Bühne Thomas Ziegler
Kostüme Marie-Thérèse Jossen
Licht Volker Weinhart
Two - Hans van Manen
Ein Solo - verteilt auf drei Tänzer. "Bachs Violinsuite, die ich unbedingt benutzen wollte, kann unmöglich von einer Person allein getanzt werden" - erläutert Hans van Manen sein 1997 beim Nederlands Dans Theater II uraufgeführtes Ballett "Solo". In nur sieben Minuten gelingt ihm ein knisterndes, sprühendes, swingendes und vor lauter Energie geradezu berstendes Porträt eines Mannes, voller Witz, Drive und Virtuosität - natürlich mit den für Hans van Manen so typischen Zutaten: den aufgebracht in die Luft geworfenen Händen, schnellen Drehungen, gebeugten Knien, angewinkelten Armen, Balancen und Off-Balancen.
Von ganz anderem Charakter dagegen "Two" auf die sanfte "Berceuse Elégiaque" des Komponisten Ferruccio Busoni, kreiert 1990 für das NDT I. Wie der Titel bereits sagt ein Pas de deux - und doch sehr viel mehr als ein Aufeinandertreffen von Mann und Frau nach klassischem Vorbild: Ein ganzer Kosmos menschlicher Empfindungen zwischen zärtlicher Hingabe und kämpferischem Miteinander-Ringen, hingebungsvoller Zuneigung und erotischer Herausforderung in einem schier endlosen Strom fließender Bewegungen.
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TWO
Hans van Manen
MUSIK
"Berceuse Elégiaque" op. 42 BV 252a ("Des Mannes Wiegenlied am Sarge seiner Mutter"
Choreographie Hans van Manen
Bühne und Kostüme Keso Dekker
Licht Joop Caboort
Einstudierung Brigitte Martin
Solo - Hans van Manen
Unleashing the wolf - Martin Schläpfer mit Regina van Berkel
Zu einem der wichtigsten Partner wurde für Martin Schläpfer in den letzten Jahren Paul Pavey. Mit den Musiken zu den Balletten "in my day and night", "ein Wald, ein See", "3" und "5" schuf der englische Musiker, Performer und Komponist, der für unterschiedlichste Tanzensembles und Tanzinstitutionen wie die London Contemporary Dance School, die Rambert School, die English National Ballet School, den Prix de Lausanne, das Nederlands Dans Theater und das London Contemporary Dance Theatre arbeitet, bereits vier Auftragswerke für Martin Schläpfer - eine Zusammenarbeit, die nun mit der Uraufführung "Unleashing the Wolf" an der Deutschen Oper am Rhein ihre Fortsetzung findet.
"Zu Paul Pavey spüre ich eine enge Verbundenheit, wir sind in unserem tiefsten Innern beide eher 'dunkle' Persönlichkeiten, rau und archaisch. Wir denken gleich über das Leben, aber handhaben es vollkommen unterschiedlich. Ich spreche schon sehr lange mit ihm über eine neue gemeinsame Arbeit", verrät Martin Schläpfer. Schlagzeug-Rhythmen, Klanglandschaften aus unterschiedlichsten Geräuschen und Paul Paveys Gesangsstimme werden sich in seiner neuen Komposition zu einer musikalischen Wirklichkeit verdichten, die zu einer wesentlichen Inspirationsquelle für den Tanz wird - eine Art "Ritual", so der ursprüngliche Arbeitstitel dieses neuen Balletts.
Doch nicht nur zu intensiven Wechselwirkungen zwischen Choreograph und Komponist wird es in dieser Arbeit kommen: Mit Regina van Berkel, die in b.06 eine eigene Uraufführung mit dem Ballett am Rhein präsentiert, hat sich Martin Schläpfer eine zweite Choreographin zur Seite gestellt, die in einem unabhängigen kreativen Prozess und in ihrer eigenen Handschrift kontrastierende Intermezzi zu "Unleashing the Wolf" kreieren wird - ein äußerst reizvolles choreographisches Experiment.
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UNLEASHING THE WOLF
URAUFFÜHRUNG
Martin Schläpfer mit Intermezzi von Regina van Berkel
MUSIK
Auftragskomposition und Live-Performing von Paul Pavey
Choreographie Martin Schläpfer, Regina van Berkel
Bühne Martin Schläpfer
Kostüme Marie-Thérèse Jossen
Licht Volker Weinhart

