History


5. Rheinischer Tag für Denkmalpflege im LehmbruckMuseum Duisburg

"Über Hecke und Zaun hinweg… Historische Siedlungsarchitektur" war das Thema des 5. Rheinischen Tages für Denkmalpflege, der am Mittwoch, den 7. Juni 2017 im Duisburger Lehmbruck Museum stattfand. Öffentlich eingeladen hatten zu dem Blick über den Zaunpfahl das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, die Stadt Duisburg und die Architektenkammer NRW. Fachlicher Austausch am Vormittag, Bus-Exkursionen am Nachmittag: Etwa 120 Fachleute und interessierte Bürger nahmen am Rheinischen Tag für Denkmalpflege teil.

OB Sören Link begrüßt die Teilnehmer
 
"Unsere Aufgabe ist es, den Auftrag des Denkmalschutzgesetzes mit ganz viel Fingerspitzengefühl zu erfüllen", sagte Oberbürgermeister Sören Link in seiner Begrüßung. Dabei bedankte er sich "bei denen, die das historische Erbe pflegen und bewahren", für die das mehr sei als ein Job.
Wie schwierig das in der Praxis ist, erläuterte Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke in ihrem Grußwort: "Spätestens mit der Privatisierung setzt der Wunsch nach Individualisierung ein." Für Siedlungen heißt das: Menschen, die ein Siedlungshäuschen gekauft haben, wollen oft ihre eigenen gestalterischen Vorstellungen umsetzen. Auf diese Weise gehe aber der Charakter jeder Siedlung früher oder später verloren.
Für Michael Arns, Vizepräsident der Architektenkammer NRW, ist Architektur "gebaute Erinnerung. Dabei sei er sicher, dass nur das, was wirklich wichtig ist, dauerhaft Bestand hat. Das gelte gerade für die denkmalgeschützten Siedlungen, weil sie Heimat und Orte der Identifikation für die dort lebenden Menschen sind. "In einem guten Sinne gibt uns die Denkmalpflege immer wieder Hinweise, was des Erinnerns würdig und wert ist."
 

Gebaute Geschichte bewahren: vier Vorträge


Podiumsdiskussion: von links: Uwe Rohde (GEBAG), Michael Arns (Architek-tenkammer NRW), Willi Mohrs (WAZ), Dr. Andrea Pufke (Landeskonservatorin), Carsten Tum (Beigeordneter Stadt Duisburg)
 
Die Stadt Duisburg darf sich glücklich schätzen, 22 mehrheitlich gut erhaltene denkmalgeschützte Siedlungen auf ihrem Stadtgebiet zu haben. Gestaltungsfibeln helfen der Unteren Denkmalbehörde, Wildwuchs in den Siedlungen weitgehend zu verhindern. Einfach ist das nicht: "Die Arbeiten von der Denkmalpflege werden oft als lästiges Einmischen empfunden", erklärte Dr. Claudia Euskirchen, die bis vor zwei Jahren die Untere Denkmalbehörde der Stadt Duisburg geleitet hat, in ihrem Vortrag über "Strategien und Konzepte der Denkmalpflege in historischen Siedlungen". Die heutige Abteilungsleiterin im LVR-Amt für Denkmalpflege weiß aus Erfahrung: "Erfolgreiche Denkmalpflege ist nur mit den Eigentümern zu erreichen."
Prof. Dr. Walter Buschmann stellte in seinem Vortrag "Die Siedlungen in Duisburg und im Ruhrgebiet im Spiegel eines landesweiten Siedlungsinventars" vor. Viele der Siedlungen greifen demnach vorindustrielle Haustypen auf, die an die neuen Bedürfnisse der Arbeitersiedlungen angepasst wurden. Dabei lebten bisweilen Großfamilien mit bis zu 14 Personen auf 30 Quadratmetern. "Überall standen Betten, das Essen ging - wie die Arbeit - in Schichten vor sich."
Uwe Rohde von der Duisburger Baugesellschaft Gebag mbH, bot mit seinem Wort-Beitrag "Strategien und Konzepte zur Entwicklung des historischen Wohnungsbe-standes am Beispiel der denkmalgeschützten Straußsiedlung in Duisburg-Neudorf" an. Ein Architekturwettbewerb in Verbindung mit einem Nachbarschaftsforum, das in Entwicklungsfragen der leer stehenden Siedlung einbezogen wurde, ist demnach ein vielversprechendes Konzept. Dass Denkmalschutz nicht Stillstand bedeutet, ist für Rohde klar: "Ohne Balkon läuft nichts mehr."
Der Kölner Stadtkonservator Dr. Dipl.-Ing. Thomas Werner berichtete schließlich über "Die Naumannsiedlung in Köln-Riehl. Denkmalpflegerische Lösungsansätze einer Nutzungsanpassung." Auch wenn der Leiter der Unteren Denkmalbehörde nicht alle denkmalpflegerisch relevanten Maßnahmen durchsetzen konnte, so ist er doch im Ergebnis überaus zufrieden mit der Sanierung der 1927 bis 1929 erbauten Siedlung in guter Kölner Wohnlage. Unter anderem hat die Nutzung des Dachgeschosses eine "Nachverdichtung mit 120 Wohnungen" ermöglicht. Auch denkmalgeschützte Siedlungen müssen schließlich wirtschaftlich sein.
 

Geld und Bildung fehlen: die Podiumsdiskussion

Denkmalpflege ist teuer, Denkmalpflege hindert Eigentümer an der freien Entfaltung in ihrem Eigentum… Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke kennt die Vorbehalte, mit denen Denkmalpfleger immer wieder konfrontiert werden. Diesmal kamen sie von Willi Mohrs, der als stellvertretender Redaktionsleiter der WAZ-Duisburg die Podiumsdiskussion moderierte. Daran nahmen neben Pufke teil: Carsten Tum, Stadtentwicklungsdezernent der Stadt Duisburg, Uwe Rohde von der Gebag und Michael Arns von der Architektenkammer NRW.

Die Diskussion, an der sich das Publikum beteiligte, drehte sich unter anderem um die Frage, wie denkmalpflegerische Belange vor allem bei privatisierten Siedlungen besser umzusetzen seien. "Man muss sich Strategien überlegen, wie man den Denkmalschutz positiv belegen kann", so Tum. Dabei müssten die Städte und der LVR, der immer fachlich beteiligt ist, an einem Strang ziehen.
Das geht aber nicht ohne konsequentes Handeln der Stadtverwaltungen, mahnt die Landeskonservatorin: "Auch wenn wir als Denkmalpfleger in Privateigentum eingreifen, müssen wir den Mut haben, die Einhaltung der Regeln einzufordern."

Einig waren sich alle Beteiligten auf dem Podium wie im Publikum, dass es an bau-kultureller Bildung fehlt. In den Schulen komme Architektur als Fach nicht vor. "Wir fordern das seit 30 Jahren seitens der Architektenkammer", so Arns, der inzwischen die Hoffnung aufgegeben hat. "Das Thema Architektur bekommen wir trotz aller Be-mühungen in den Lehrplänen nicht unter." Deshalb seien viel mehr Informationsveranstaltungen nötig, um das entsprechende Wissen zu vermitteln. Denn: "Eine Gesellschaft, die ihre Denkmäler vernachlässigt, verliert ihr Gedächtnis."

Auch die Bedeutung von Fördermitteln zur Unterstützung von Denkmaleigentümern wurde thematisiert. Es sei zu hoffen, so Pufke, dass die Denkmalförderung des Landes, die 2015 weitgehend gestrichen wurde, mit der neuen Koalition wieder eingeführt wird. "Damit könnte man Eigentümer zumindest etwas entlasten."

Am Nachmittag gab es drei Exkursionen zu Siedlungen in Duisburg. Beim anschließenden Ausklang im Museum wurden die Gewinner des Denkmalsrätsels mit dem Lösungswort "Baudenkmal" gezogen und die Preise verteilt. Bei Musik und einer kleinen Stärkung konnten die Teilnehmer den Tag ausklingen lassen.
 
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