Gemeinsam gegen Gewalt gegen Frauen in Duisburg

Häusliche Gewalt gegen Frauen ist leider nicht nur in Duisburg trauriger Alltag: Rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren haben körperliche oder sexuelle Gewalt - oder beides - in der Beziehung mindestens ein- oder auch mehrmals erlebt.
Anlässlich des "Internationen Tag gegen Gewalt an Frauen" und des Jubiläums "10 Jahre Gewaltschutzgesetz" im November d. Jahres ist es in Duisburg gelungen, ein gemeinsames Pressegespräch mit Oberbürgermeister Sören Link, der
Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels, mit Christine Trenz, der Vorsitzenden des Runden Tisches Gewaltschutzgesetz Duisburg und Geschäftsführerin des Frauenhauses Duisburg sowie der Frauenbeauftragte der Stadt Duisburg, Doris Freer, zu organisieren. Ziel war es, für das Thema zu sensibilisieren und Wege und Hilfsmöglichkeiten für die Betroffenen aufzuzeigen.
Die Polizeipräsidentin appelliert an die Bevölkerung: "Nicht weggucken!"
Frau Dr. Bartels informierte über die gesetzliche Lage, insbesondere über das Gewaltschutzgesetz, und die Entwicklung im Bereich "Gewalt gegen Frauen" in den vergangenen 10 Jahren, das NRW-weite Interventionsprogramm der Polizei und die zahlenmäßige Entwicklung in Duisburg. Hier ist - wie auch im überregionalen Vergleich - erneut eine Zunahme der Gewaltdelikte im Rahmen häuslicher Gewalt zu verzeichnen. So waren es 2009 964 Fälle, in denen die Polizei wegen häuslicher Gewalt tätig werden musste, 2011 waren es bereits 100 Gewaltdelikte mehr.
Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass lt. einer im Auftrag des Landtags NRW durchgeführten Studie in NRW jede 4. Frau von Gewalt betroffen war und ist und dass aber dennoch 89 % aller Verfahren eingestellt wurden. Sie appellierte an die Bevölkerung: "Sehen Sie nicht weg, wenn es in der Nachbarschaft Anzeichen für Gewalttätigkeit gegen Frauen gibt! Alarmieren Sie die Polizei!"
Frauenbeauftragte Doris Freer: "Die Arbeit der Frauenhilfseinrichtungen kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden."
Doris Freer informierte darüber, welche Frauenhilfseinrichtungen es in Duisburg gibt
und unterstrich die hohe fachliche Kompetenz und Professionalität der Mitarbeiterinnen in den beiden Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen: "Diese haben durchweg eine große fachliche Qualifikation und sie tragen eine hohe Verantwortung, oftmals für das ganze Leben der von psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt betroffenen Frauen. Wie schon die Polizeipräsidentin ausführte, ist darauf hinzuweisen, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich sehr hoch ist."
OB Sören Link: "Gewalt gegen Frauen: Wir sind nicht bereit, das zu akzeptieren!"
Der Oberbürgermeister begrüßte mit Vehemenz, dass der Rat der Stadt anlässlich des Internationalen Tages der Gewalt gegen Frauen EINSTIMMIG, und dies hob er ausdrücklich hervor, die Resolution "Duisburg ächtet Gewalt gegen Frauen" verabschiedet und als schwere Menschenrechtsverletzung bewertet hat. "Diese Resolution hat immer noch Gültigkeit: Wir sind nicht bereit, das zu akzeptieren!" Er unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und die Menschen zu animieren, nicht wegzuschauen. "Wir brauchen die Öffentlichkeit - das Problem darf nicht ins Private abgedrängt werden."
Der OB wies auf die schwierige Finanzlage der Kommune hin und begrüßte es in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass der Rat der Stadt dennoch - seit 2002 -den Verein "Frauen helfen Frauen e. V." mit dem wichtigen Pilotprojekt "Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes" fördert und dass das Frauenhaus Duisburg - wie auch andere im Bereich Gewalt gegen Mädchen und Frauen tätige Frauenvereine - durch Spenden von städtischen Tochter-/Beteiligungsgesellschaften gefördert werden.
Ausdrücklich würdigte er auch das Engagement städtischer Dienststellen in diesem Bereich, z. B. den vom Frauenbüro herausgegebenen "Duisburger FrauenWegweiser", der auch ausführlich über Anlaufstellen im Bereich "Gewalt gegen Frauen" informiert. Dazu der OB: "Es freut mich sehr, dass dieses wichtige städtische Nachschlagewerk von einer breiten Öffentlichkeit nachgefragt und genutzt wird."
Darüber hinaus begrüßte er es sehr, dass auch das Frauenbüro, insbesondere aber auch das Call-Center der Stadt Duisburg als erste Anlaufstelle für Betroffene zur Verfügung stehe, und täglich über Hilfseinrichtungen im Bereich "Gewalt gegen Frauen" Auskunft gebe.
Christine Trenz: "Vernetzung und Zusammenarbeit in Duisburg ist vorbildlich."
Christine Trenz, Vorsitzende des "Runden Tisches Gewaltschutzgesetz Duisburg" und Geschäftsführerin des "Frauenhaus Duisburg" informierte über die Arbeit des im Mai 2002 gegründeten Duisburger Runden Tisches Gewaltschutzgesetzes" und die Arbeit der beiden Duisburger Frauenhäuser.
Christine Trenz erläuterte, dass die Zusammenarbeit aller am Runden Tisch Duisburg Kooperierenden äußerst positiv zu bewerten sei. Sie würdigte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg und mit der Duisburger Polizei. "Hier in Duisburg arbeiten alle Hand in Hand." Die Kooperation aller am Runden Tisch in Duisburg Beteiligten ist im überregionalen Vergleich als außergewöhnlich positiv zu bewerten.
Starke Kritik äußerte sie darüber, dass sich die Bundesregierung völlig unzureichend für die Belange der ca. 365 Frauenhäuser einsetzt und betonte, dass es ihr unerklärlich sei, dass die Bundesregierung nicht für die Gewährleistung eines Rechtsanspruchs auf einen Frauenhausplatz und die damit verbundene Finanzierung sorgt. "Hier wird", so Christine Trenz, "die Verantwortung auf die Frauenhäuser abgewälzt - und zwar auf Kosten der betroffen Frauen."
Downloads:
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Broschüre "Täter"
(pdf, 23,67 KB) -
Broschüre "Opfer"
(pdf, 152,07 KB) -
Flyer "10 Jahre Gewaltschutzgesetz"
(pdf, 109,28 KB) -
Flyer "Facetten von Gewalt im Alltag"
(pdf, 148,18 KB)
