History


Altzoodirektor Reinhard Frese verstorben

Mit großer Bestürzung musste der Zoo Duisburg erfahren, dass Altdirektor Reinhard Frese am vergangenen Freitag völlig unerwartet im Alter von nur 66 Jahren in seiner Berliner Heimat verstorben ist.

 
Als Todesursache wird Herzversagen vermutet. Reinhard Frese hinterlässt seine Frau Ursel und seine Tochter Janna. Die Beisetzung wird am Freitag, den 12. Februar in Berlin stattfinden.

In der Zeit von 1993 bis 2006 leitete Reinhard Frese als Zoologischer Direktor den Zoo Duisburg und prägte in diesen Jahren das heutige moderne Erscheinungsbild des Zoos. Zielsetzung seiner Amtszeit war es, alle nicht mehr zeitgemäßen Gehege und Bauten des Zoo Duisburg durch neue und naturnah gestaltete Anlagen zu ersetzen und den Zoo für das 21. Jahrhundert einer modernen Zootierhaltung zu trimmen. Nach und nach verschwanden Altanlagen, die noch an frühere Menageriezeiten erinnerten, und machten Platz für ansprechende innovative Neuanlagen.

So eröffnete gleich zu Beginn seiner Amtszeit das noch von seinem Vorgänger Dr. Wolfgang Gewalt geplante neue Delfinarium für Große Tümmler, das heutige Aushängeschild des Zoo Duisburg. Mit der Tropenhalle Rio Negro schaffte Reinhard Frese für die einzigartigen Amazonas-Flussdelfine einen ähnlichen richtungsweisenden Neubau, um Duisburgs Position als führenden Zoologischen Garten in der Haltung und Zucht von Delfinen weiter zu festigen. Auch wenn sich der Zoo schweren Herzens von den letzten Vertretern der Weißwale und Jacobita-Delfine hat trennen müssen, forcierte Reinhard Frese die Delfinhaltung als ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal des Zoo Duisburg.

Reinhard Frese verstand es mit Geschick, Sponsoren und Gönner für den Zoo zu gewinnen, um die vielen geplanten Bauprojekte finanzieren und realisieren zu können. So unterstützte die Duisburger Wirtschaft den Zoo in nicht unerheblichem Maße bei den Neuanlagen für z.B. Bärenstummelaffen, Elefanten, Giraffen, Gorillas, Riesenschildkröten oder Zwergflusspferden. Neben den großen Unternehmen waren auch die Bürger der Stadt für Reinhard Frese ein wichtiger Förderer des Zoos, so dass er die Aktion Tierpatenschaften ins Leben rief, die dem Zoo seither alljährlich stattliche Geldmittel für Neubaumaßnahmen garantiert. In gleicher Weise intensivierte er die Kooperation mit dem Förderverein des Zoos, dessen Mitglieder zum Dank u.a. die neue Fossa-Zuchtanlage finanzierten.

Auf Ewigzeiten eng verbunden bleibt Reinhard Frese mit der Gründung der Koala-Haltung im Zoo Duisburg. Allen Zweiflern zum Trotz wagte er Mitte der 1990er Jahre den Schritt, Koalas dauerhaft in Duisburg zu pflegen, trotz der gegebenen problematischen Futterlogistik. Die Koalas wurden für den Zoo Duisburg zum zweiten bedeutenden Standbein neben den Delfinen und haben sich nach den vielen Zuchterfolgen in Duisburg als erfolgreiches Zootier in der europäischen Zoolandschaft etabliert.

Reinhard Freses Augenmerk war jedoch nicht nur auf die Tiere gerichtet. Das Wohlbefinden der Zoobesucher lag ihm ebenso am Herzen. So war eine seiner ersten Amtshandlungen die Errichtung des großen Kinderspielplatzes, der auch heute noch eine der größten Attraktionen des Zoos darstellt. Auch der ehemals eher triste und wenig einladende Eingangsbereich des Zoos wurde unter seiner Regie komplett umgestaltet, um den Besuchern ein freundliches Entree in den Zoo zu gewähren. Und anstelle der schwankenden Expobrücke, die vielen Besuchern einen Schrecken verursachte beim Überqueren der den Zoo in zwei Hälften teilenden Autobahn, überzeugte Reinhard Frese die Kommunen, eine neue bis zu 30 m breite Landschaftsbrücke zu gestalten, die die beiden Seiten des Zoos heutzutage harmonisch verbindet. Darüber hinaus etablierte er eine Serviceabteilung im Zoo, um die Besucher besser informiert und durch den Zoo geführt zu wissen. Hier galt und gilt es Wissen zu vermitteln und den Natur- und Artenschutz den Besuchern näher zu bringen und zu fördern. Mit der Initiierung des 'Cent für Artenschutz', der Abführung eines Cents des Eintrittspreises für ausgewählte Artenschutzprojekte, war der Zoo Duisburg einer der Vorreiter im Bemühen, globale Schutzprojekte finanziell zu fördern, was Reinhard Frese ein besonderes Anliegen war.

Mit dem Tode von Reinhard Frese verliert die Zoowelt einen hoch geschätzten Kollegen. Der Mann mit dem markanten Schnauzbart und der runden Brille war ein begeisterter und innovativer Tiergärtner, der das Erscheinungsbild des Zoo Duisburg komplett umgekrempelt hat. Mit Mut und Durchsetzungskraft packte er auch schwierige Aufgaben an und wusste diese immer gut zu lösen. Die alljährlich rund 1 Million Besucher boten Anerkennung für seine tiergärtnerischen Leistungen.

Reinhard Frese war ein allseits geschätzter und beliebter Mensch. Bei allen Mitarbeitern, Freunden und Förderern des Zoos war er aufgrund seiner freundlichen, offenen und diplomatischen Art hoch angesehen. Er strahlte Menschlichkeit aus, offenbarte jederzeit die nötige Kollegialität und überzeugte durch sein Allgemeinwissen und seinen Witz und Humor. Die unzähligen netten Stunden, bei denen man mit ihm über alles hat sprechen können, werden wir sehr vermissen. Ein guter Freund ist von uns gegangen.

 
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