Sammlung Malerei

Eingebunden in die Präsentation internationaler Skulptur ist die erlesene Sammlung deutscher Malerei, die von der Jahrhundertwende, dem malerischen Werk Lehmbrucks aus den Pariser Jahren, bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts reicht. Die heutigen Bestände präsentieren sich in allen wichtigen Bereichen als Neuerwerbungen der Zeit von 1945 - 1970 durch den damaligen Direktor Gerhard Händler.
August Macke, Zwei Schwestern, 1911, (c) LehmbruckMuseumGroßbildansicht
August Macke, Zwei Schwestern, 1911, (c) LehmbruckMuseum

Zu den Meisterwerken der Gemäldesammlung des Lehmbruck Museums gehören Werke der Brücke-Künstler Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller sowie des ihnen verbundenen Emil Nolde, aber auch Arbeiten von Künstlern wie August Macke, Heinrich Campendonk und Christian Rohlfs aus dem rheinisch-westfälischen Raum. Gemälde von Alexej von Jawlensky, Oskar Kokoschka und den "Sturm"-Künstlern Johannes Molzahn und Thomas Ring ergänzen die Gemälde des Expressionismus der Brücke-Künstler.

Ernst Wilhelm Nay, Sternbalance, 1956, (c) Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2011Großbildansicht
Ernst Wilhelm Nay, Sternbalance, 1956, (c) Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Konstruktive Tendenzen verbinden die nächste größere Werkgruppe, die ihren produktiven Anstoß zunächst vom Kubismus erhielt. Oskar Schlemmer, Walter Dexel, Lyonel Feininger und Georg Muche stellvertreten unter anderen das "Bauhaus"; die "Rugbyspieler" von Max Beckmann und "Die Versuchung des Heiligen Antonius" von Max Ernst gelten als herausragende Einzelbeispiele im Kontext von Expressionismus, Neuer Sachlichkeit bzw. Surrealismus.

Max Ernst, Die Versuchung des Heiligen Antonius, 1945, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2011Großbildansicht
Max Ernst, Die Versuchung des Heiligen Antonius, 1945, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges formierte sich als internationales Phänomen die Kunst des "Informel". Viele deutsche Künstler verstanden die abstrakte Malerei als Befreiung und einzig gültige Alternative zur realistischen Kunst, die durch die faschistischen Ideologien instrumentalisiert und pervertiert worden war und durch den Sozialistischen Realismus eine neue Dogmatisierung erfuhr. In den Werken von Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme und Bernhard Schultze ist noch heute der starke, oft anarchische Ausdruckswille und das Gefühl von Befreiung nach Diktatur und Krieg spürbar.

Das Ringen um neue Formen und Funktionen der Malerei zeigt sich dabei als Prozess der Bildwerdung aus der Geste oder aus dem Material. Dieses führt der Malerei gegen Ende der 50er Jahre unmittelbar einen neuen Objektcharakter zu. Die Grenzen zwischen Malerei und Objekt bzw. Skulptur beginnen sich zu verwischen.