Zur Geschichte der Lehmbruck-Sammlung

Das Verhältnis von Lehmbruck und Duisburg ist durch eine bewegte Geschichte gekennzeichnet. Auf den einzigen Lebzeitankauf, die "Duisburgerin" von 1912, finanziert von der Familie Böninger, folgt die Absage des Künstlers für eine "Heldenfigur" auf dem Ehrenfriedhof des Kaiserbergs im Jahr 1915. Erst 1925, sechs Jahre nach dem frühen Freitod des Künstlers, gelingt es August Hoff als Direktor des Museumsvereins, einen großen Teil des Nachlasses Lehmbrucks als Leihgabe von seiner Witwe Anita zu gewinnen.
Lehmbruck-Trakt, 1964, Foto: Bernd Kirtz
Der Lehmbruck-Trakt 1964

1927 findet bereits der präfaschistische Angriff auf die Bronze der "Knienden", die sich heute vor dem Haupteingang des Museums befindet, statt. Die Nationalsozialisten verfolgen das Lehmbrucksche Werk als "entartet", weshalb der Nachlass an die Familie zurückgegeben werden muss. Nur unter größtem und gefährlichem Einsatz sowie unter Hinnahme einiger Kriegsverluste kann die Familie Lehmbruck das Lebenswerk des Künstlers über die NS-Zeit retten.

Wegen dieser Erfahrungen erst spät und unter erheblichen Mühen gelingt es der Stadt Duisburg 1964, mit der Eröffnung des von Manfred Lehmbruck geplanten Wilhelm Lehmbruck Museums auch den Lehmbruck-Nachlass leihweise von der Familie zurück zu gewinnen, ohne ihn jedoch vertraglich sichern zu können. Im Laufe der Jahrzehnte erwirbt das Lehmbruck Museum insgesamt 165 Werke des Künstlers.


Der Lehmbruck-Nachlass

Nach beinahe vierjährigen Verhandlungen gelang es im Janr 2008, den umfangreichen Wilhelm Lehmbruck-Nachlass dauerhaft für Duisburg zu sichern. Aus dem künstlerischen Nachlass wurden 33 Skulpturen, 18 Gemälde, 11 Pastelle, 819 Zeichnungen und 260 Druckgraphiken dazugewonnen.

Diese insgesamt 1.141 Werke standen zuvor nur als Leihgaben der Erbengemeinschaft Lehmbruck zur Verfügung. Zu Jahresbeginn 2005 bot die Familie Lehmbruck der Stadt Duisburg, der Heimat des Künstlers, den Nachlass vorrangig und befristet zum Kauf an. Das Kuratorium der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum bewertete sofort die dauerhafte Sicherung des Lehmbruck-Nachlasses als höchste Priorität. Dank Unterstützung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW, der Stadt Duisburg sowie der Duisburger Wirtschaft konnte der gesamte Nachlass in einem geglückten Public-Private-Partnership-Modell bis zum Jahre 2011 erworben werden.

Für das LehmbruckMuseum kann die seit langem angestrebte Sicherung des gesamten Lebenswerkes Lehmbrucks als Basis der herausragenden internationalen Skulpturensammlung des 20. Jahrhunderts nicht hoch genug eingeschätzt werden, da mit diesen Erwerbungen das Museum dauerhaft das weltweit einzige Sammlungs- und Forschungszentrum des herausragenden Bildhauers Lehmbruck bleibt.