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"Wir lieben unsere Sammlung...

...und laden Gäste ein." Seit dem 10. Juli 2010 ist das Duisburger LehmbruckMuseum nach einer kurzen, intensiven Umbauphase wieder komplett für das Publikum geöffnet.

Die Architektur

Blick in den Lehmbruck-Trakt, Foto: Mark WohlrabGroßbildansicht
Blick in den Lehmbruck-Trakt, Foto: Mark Wohlrab

Der Lehmbruck-Trakt ist nach Entfernung sämtlicher nicht zur ursprünglichen Architektur gehörenden Einbauten der Ort für die Highlights der figurativen Skulpturen und Gemälde aus der Sammlung des LehmbruckMuseums. Die Werke Lehmbrucks treten in diskreter und überraschender Weise miteinander und mit den Werken geistesverwandter Künstler in Beziehung. Dem aufmerksamen Betrachter eröffnen sich so untereinander vernetzte, sowohl zeitlose wie neu zu entdeckende Themenbereiche: "Der Torso", "Das Porträt", "Die Darstellung des Leidens", "Das Knien", "Die Präsenz oder Bedeutung des Rückens als Ansichtsseite", "Das Erhabene"...

Im Lehmbruck-Trakt sind nun deutlich mehr Werke als in den Jahren zuvor zu sehen, z. B. Werke von Medardo Rosso und Alberto Giacometti, Käthe Kollwitz und Raymond Duchamp-Villon, Duane Hanson und Oskar Kokoschka, Oskar Schlemmer und Max Ernst. Neu hinzugekommen ist der Ankauf "Woman in lace"/ "Frau im Spitzenhemd" von George Segal und die Dauerleihgabe "Roter Beton" von Olaf Metzel.

Ziel der Neupräsentation des Lehmbruck-Trakts ist es, eine Atmosphäre in diesem Teil des LehmbruckMuseums zu schaffen, die das Erhabene der Kunst in Einklang bringt mit einem von der Architektur hervorgerufenen selbstbewussten Verhalten der Besucher.


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Wilhelm Lehmbruck und Meisterwerke der figurativen Kunst

Wilhelm Lehmbruck und Meisterwerke der figurativen Kunst, Foto: K. NitzGroßbildansicht
Wilhelm Lehmbruck und Meisterwerke der figurativen Kunst, Foto: K. Nitz

Eine besondere Rolle spielt bei dem neuen Erscheinungsbild des LehmbruckMuseums die Architektur von Manfred Lehmbruck: Das Museum wurde 2010 von den zahlreichen Einbauten der vergangenen Jahrzehnte befreit und in seinem Innern renoviert. Daher präsentieren sich die beiden frühen Gebäude nahezu wie im Jahr 1964, als die ab 1958 entworfene Architektur des Sohnes von Wilhelm Lehmbruck für die Werke seines Vaters eröffnet wurde - und auch die beiden 1987 fertig gestellten Gebäude zeigen sich mit einem neuen Gewand.

"Für mich ist das LehmbruckMuseum einer der schönsten Museumsbauten überhaupt", meinte auch der bekannte Fotograf Wolfgang Tillmans, der Lady Gaga vor Ort porträtiert hat. Prägend für den architektonischen Entwurf Manfred Lehmbrucks ist die Durchdringung von Kunst und Natur, der fließende Übergang von innen nach außen, die Integration der Kunst in die Architektur und die grunddemokratische Sichtweise, nach der der Besucher sich selbst orientieren soll. Raimund Stecker dazu: "Paradigmatisch steht die Architektur des LehmbruckMuseums für die radikale Abwendung von der Architektur, die zwischen 1933 und 1945 Deutschland dominierte und die begonnene Moderne schmerzlich unterbrach. Sie knüpft an die Moderne der Weimarer Zeit an und führt sie zu einer weltweit einzigartigen Vollendung." Durch die Freilegung der ursprünglichen Materialien, insbesondere der Wände aus braunen Ziegeln, weißem Kiesel und grauem Sichtbeton, wird die ungewöhnliche, einzigartige ästhetische Qualität des Entwurfs nun wieder ungestört erlebbar.


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Meisterwerke der Abstraktion

David Smith, Blackburne, Song of an Irish Blacksmith, 1949-50, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. NitzGroßbildansicht
David Smith, Blackburne, Song of an Irish Blacksmith, 1949-50, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. Nitz

Figuration und Abstraktion - diesem "historisch-avantgarden Gegensatzpaar" ist die Trennung zwischen der figurativen Kunst im Lehmbruck-Trakt und der abstrakt-informellen Kunst im neu gestalteten Ausstellungssaal gewidmet. Hier soll durch das gleichberechtigte Nebeneinander von amerikanischer und europäischer Kunst die Diskussion über die qualitative Dominanz der Kunstzentren - Europa / Amerika - die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg an Beispielen der Sammlung des LehmbruckMuseums erneut beleuchtet werden. So sind dort bedeutende Arbeiten von Frank Stella, David Smith, Norbert Kricke, Anthony Caro, Naum Gabo und Barbara Hepworth neben Werken von Ernst Wilhelm Nay, Hans Arp, Tim Scott, Hans Uhlmann und Alexander Calder genauso hierarchielos nebeneinander zu sehen wie Werke von Ulrich Rückriem und Richard Artschwager.

Neu in der Präsentation ist unter anderem ein neunteiliges Relief von K. O. Götz, das dem Museum neben anderen Werken des nunmehr 96-jährigen Altmeisters des Deutschen Informel von privaten Sammlern geschenkt wurde. Hinzu kommen Dauerleihgaben aus der Sammlung DKM.


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Beuys-Raum

Blick auf Editionen von Joseph Beuys, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. NitzGroßbildansicht
Blick auf Editionen von Joseph Beuys, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. Nitz

1986, kurz vor seinem Tod, erhielt Joseph Beuys den Lehmbruck-Preis. Beuys´ Rede, in der er seine starke Beziehung zu Lehmbruck offenbarte, ist mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit bekannt. Nach der Verleihung des Lehmbruck-Preises erwarb das Museum die Installation "Raum 90.000 DM" (1981). Seit rund 10 Jahren verfügt es auch über das "Mammut" (1960) als Dauerleihgabe aus Privatbesitz.

Der "Raum 90.000 DM" hat innerhalb des Museums einen neuen, auf Dauer vorgesehenen Platz im Glaskubus erhalten. Zur Neuinstallation haben Sammler der Region dem Museum ihre Editionssammlungen mit Werken von Joseph Beuys zur Verfügung gestellt.

Mit der Präsentation von Werken aus diesen Sammlungen möchte das LehmbruckMuseum auch dokumentieren, dass es Privatsammlern mit oft nur beschränkten finanziellen Mitteln möglich ist, konsistente Sammlungen aufzubauen.


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Internationale Skulptur und Objektkunst

Henri Laurens, La tête (Der Kopf), 1920, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. NitzGroßbildansicht
Henri Laurens, La tête (Der Kopf), 1920, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: K. Nitz

Das Lehmbruck Museum besitzt seit der Eröffnung des Hauses 1964 in allen Gattungen fast das gesamte Lebenswerk von Wilhelm Lehmbruck, nachdem es 2009 gelang, auch den Nachlass des Bildhauers aus Familienbesitz dauerhaft zu sichern. Hierdurch erhebt es den Anspruch und das Ziel, ein in Deutschland führendes Kompetenzzentrum für die internationale Plastik und Objektkunst des 20. und 21. Jahrhunderts zu sein. Aus dem Bestand von annähernd 900 Skulpturen ergeben sich Sammlungsschwerpunkte, die von nahezu allen international wichtigen Bildhauern in einer Vielzahl von Techniken und Materialien ausgeführt wurden.

Hierzu gehören herausragende Beispiele von Primitivismus und Kubismus (André Derain, Raymond Duchamp-Villon, Henri Laurens, Jacques Lipchitz, Pablo Picasso), der frühen Abstraktion (Rudolf Belling, Otto Freundlich, Erich Buchholz, Hans Arp) und des Expressionismus in Deutschland (von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz bis Ewald Mataré) sowie des Konstruktivismus und Minimalismus (von Constantin Brancusi und László Moholy-Nagy bis Georges Vantongerloo, Max Bill, Antoine Pevsner und Naum Gabo, Erwin Heerich, André Volten, Sol Lewitt und Donald Judd). Herausragend ist der Bestand surrealistischer Skulpturen (Max Ernst, Salvador Dali, Rene Magritte, Meret Oppenheim) sowie die Werkgruppe von Alberto Giacometti (die bedeutendste in Deutschland) und Henry Moore. Unübertrefflich ist die Stahl- und Eisenplastik von Alexander Calder, Julio González, David Smith, Berto Lardera, Eduardo Chillida bis Hans Uhlmann, Norbert Kricke, Georg Uecker und Richard Serra, Heinz-Günter Prager und Ansgar Nierhoff.

Von besonderem Gewicht sind die Werke der Objektkunst nach 1945 mit herausragenden Beispielen von Christo, Jean Tinguely (2 große mobile Maschinen-Reliefs), Antoni Tàpies, Daniel Spoerri, Nam-June Paik, Paul Thek, Rainer Ruthenbeck, Geoffrey Hendricks und Klaus Rinke. Hyperrealistische und anthropomorphe Figuration der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart ist präsent durch Werke von Duane Hanson (WAR) und George Segal, A.D.Christian, Franz Bernhard, A.R. Penck und Magdalena Jetelovà. Sie begleiten die reiche Sammlung des Informel mit umfangreichen Werkgruppen von Bernard Schultze, Germaine Richier, Otto Herbert Hajek, Gerhard Hoehme, Emil Schumacher und Karl Otto Götz. Eigene Räume sind Joseph Beuys, Mario Merz, Richard Long, F.E. Walther, Christian Boltanski und Jannis Kounellis, aber auch A.M. Kaufmann, Aernout Mik und Yves Netzhammer gewidmet.

Das Museum wird von einem Park mit über 30 Großskulpturen (von Wilhelm Lehmbruck bis Eduardo Paolozzi, Hans-Peter Feldmann und Stefan Sous) eingefasst.