Skulpturale Prinzipien für die Mittagspause
Ein weiterer Beitrag der Reihe "Daniels wunderbare Museumswelt".
Ein Mittagspausenausflugslehrbericht.
Prolog - Aufbruch im Museum
Ameisenbär Andreas, Sara, Red Ruthmother, Daniel.
Aufbruch im Museum. Drei warten auf Andreas Ameisenbär, der es nicht schafft sich von seiner Arbeit loszulösen.Gesprächsfetzen:
Ameisenbär Andreas : "Moment, ich will grad noch mal zurück, meine Urlaubsanträge holen, wenn wir schon mal nach vorne gehen..."
red Ruthmother : " Mach hinne, mir is vielleicht warm!"
Daniel: "Ich hab Hunger!"
Ameisenbär Andreas : "Kommt ihr mit runter? Oder wollt ihr hier warten?"
Red Ruthmother : "Boah, mir ist so scheiße warm!"
Sara (engagiert): "Wir kommen mit, sonst geht uns noch wer verloren oder es passiert etwas. Dann kann einer Hilfe holen, einer da bleiben und einer... einer...ja einer..."
Red Ruthmother( zieht an ihrem Mantel, Haare, Gesicht - rot) : "Ich zieh mich gleich aus. Boah is mir heiß!"
Ameisenbär Andreas (grinsend und schrecklich gut gelaunt) : "Kommt ihr jetzt alle auch noch mit mir aufs Klo?"
Daniel (verzweifelt): "..."
Hauptteil - Im Karstadt
Im Karstadt reisen wir über unnormal schnelle Rolltreppen in den 3. Stock um zu "Le Buffet" zu kommen. Bilder von Obelix beim wahnsinnigen Koch (Kamelhöcker in Karamel, etc.) schwappen durch mein Hirn. Alle sind nervös und aufgekratzt. Doch ich weiß, wir sind mit einem Bildungsauftrag hier. Wirklich.

Die von uns noch unberührte Materialgrube
Unser Ziel: Das Nachtischbuffet, die Schale (ca. 7cm Durchmesser) für 2,50 Euro. Heute im Angebot: Milchreis, Schokomousse, Bananen in Vanille-Kirsch-Soße, Heidelbeerjoghurtcreme, irgendetwas seltsam leckeres mit aufgeweichtem Müsli, ein ungewöhnliches Tiramisu, frische, lecker holzige Ananas, Kiwi, Mandarinen, Wasser- und Honigmelone und was weiß ich...

Das Material wurde bereits gesichtet und wird nun ausgewählt.
Auf geht's, wir reißen uns um die Arbeitsmaterialien und mit viel Bedacht und ein wenig Übereifer, speziell bei Ameisenbär Andreas, wird die Schale gefüllt. Red Ruthmother wird die Sache peinlich, sie wird rot und stammelt: "Ich kenn euch nicht...is mir warm...ich mag doch eigentlich gar nichts Süßes..." während sie doch ehrgeizig ihre Schüssel vollhaut.

Unsere fertiggestellten Werke
Ab zur Kasse. Diese vier köstlichen Schüsseln gab es für schlappe 10 Euro. Nur Bildung kann so billig sein...

Sara gespielt-schüchtern mit ihrem Werk
Sara hat viel Wert auf Ästhetik gelegt. Ihre Keksröllchen sind provozierend und zentral-platzeinnehmend positioniert.

Der heißhungrige Ameisenbär
Ameisenbär Andreas stolz mit seiner Schale; das Geschleckerte hat er geschickt kaschiert. Heißhungrig heizt er bereits den Löffel auf Körpertemperatur vor. In Gedanken bereits längst fertig.

Rot sieht rot. Gut gemacht Red Ruthmother!
Der rote Weihnachtsmann, der unserer Red Ruthmother nicht widerstehen konnte, beglückwünscht sie zu ihrem Werk, das eindeutig ästhetisch ausgefeilteste - Klasse statt Masse.

Stolz zeigt Daniel seine wirklich schwere Schale
Die vollste Schale des Projekts. Ananas, Kiwi und Bananenstücke erweitern den Rand und schaffen so einen größeren Innenraum als auch die Basis um höher zu stapeln. Die statisch wirklich unauswechselbare Keksröllchensäule ist tief eingebettet.
Für alle, die den Bildungsaspekt bisher noch nicht erkannt haben, und jetzt vermuten, dass es darum ging, sich möglichst assozial die Schüssel vollzuschlagen und anschließend den eigenen Magen, erkläre ich einmal ganz kurz:
Es ging darum skulpturale und architektonische Prinzipien umzusetzen. Trotz stark begrenzten Raumes und eingeschränkter Zeit war es Aufgabe strukturell-statische Aspekte als auch Ästhetische in ausgeglichene Relationen und Einklang zu bringen und dabei zugleich die große Vielfalt der angebotenen Materialien angemessen auszuschöpfen. Planung, Bedacht und Kreativität waren gefordert. Planskizzen wurden in Betracht gezogen; die Konsistenz und natürlichen Eigenschaften der Bausubstanzen wurden analysiert, verglichen und optimal eingesetzt. Künstlerische skulpturale Fragen wurden aufgeworfen, wie "Wie genau kriege ich es hin, dass dies jetzt verdammt noch mal hält und so aussieht wie ich es mir vorstelle?!" Also Bildung, Bildung, Bildung.

Vergangene Kunst.
Abrunden möchte ich den Bericht dieses Workshops mit einem Bild der entleerten Schalen. Ein gewisses Vergänglichkeitsmoment ist bei Arbeiten mit Nahrungsmitteln leider niemals ganz auszumerzen....

Adieu! Bis zum nächsten Mal!
....und dem Bild, wie sich unsere weißen Basisbauplatten auf ihren Weg in den Orkus drohend dunkler Sauberkeit, verabschieden. Einen lieben Gruß an den Weihnachtsmann erscheint mir eigentlich nicht angemessen, aber Jahreszeitbedingt, möchte ich ihm und dem langschwanzigenPumuckelätwepp für den angemessenen Gesprächsrahmen danken.
(Daniel Lange, FSJ-Kultur)