Ab Freitag, 7. Mai 2010
Ai Weiwei trifft Joseph Beuys
Fortsetzung unserer neuen Ausstellungsreihe "Zu Gast in unserer Sammlung"
Bei der im Jahr 2008 entstandenen "Welle" des chinesischen Künstlers handelt es sich um eine elegante Porzellanskulptur, entstanden in der handwerklichen Tradition der chinesischen Keramik. Das 1960 entstandene Werk von Beuys ist ein Stuhl-Objekt, bestehend aus einem Klappstuhl aus der Beuys´schen Wohnung mit einem darauf abgelegten, abgenutzten Stoff-Elefanten, ursprünglich ein Spielzeug seiner beiden Kinder Wenzel und Jessyka.
Beiden Werken gemeinsam ist eine unaufdringlich politisierende und gleichzeitig große emotionale Kraft. Aus den ihrer jeweiligen Kultur entstammenden Materialien und Symbolen haben Beuys und Ai Weiwei, beide auf ihre Weise Revolutionäre und zeitkritische Provokateure, Werke in einer archaischen und damit universell verständlichen Sprache geschaffen.
Hinter der glatten Perfektion und Schönheit der "Welle" lauert nach dem Schock der Tsunami-Katastrophe das Verderben. Sie erscheint uns wie ein Symbol für das zerstörte Verhältnis von Mensch und Natur. Der Stoff-Elefant, eigentlich ein alltägliches Spielzeug, wird von Beuys ins Mythische überhöht, indem er ihn mit dem Urtier "Mammut" aus prähistorischer Vergangenheit gleichsetzt . Das Tier liegt kraftlos über dem Stuhl, sein Ohr ist verloren: ein Abglanz der "sozialen Plastik" und eines kulturübergreifenden Weltbildes, in dem Natur, Tier und Mensch noch eine Einheit bildeten.


