Duisburg International: Motor für ein Europa der Bürger
So fing alles an…

Der Gedanke der Städtepartnerschaften entstand Ende der 40er Jahre. In der ersten Phase - kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - verfolgten Städtepartnerschaften das Ziel, die Aussöhnung zwischen den Völkern in Europa und die kommunale Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zu fördern. Um den Prozess zu institutionalisieren, wurde 1951 in Genf der Rat der Gemeinden und Regionen Europas gegründet. In der Folge entstand eine Vielzahl von Städtepartnerschaften, sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas. Die Größe und die Struktur der Stadt (ländlich oder industriell geprägt) spielten neben den schon bestehenden privaten Kontakten von Bürgern oder Kommunalpolitikern die Hauptrolle für die Entstehung einer solchen Partnerschaft.
So verfügte in Duisburg der
damalige britische Stadtkommandant
über persönliche Verbindungen in die englische Stadt
Portsmouth. Aus der anfänglich vorgeschlagenen reinen Freundschaftsbeziehung
zwischen den beiden vom Krieg zerstörten Städten erwuchs 1950 Duisburgs erste
Städtepartnerschaft. Im Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung folgte
1964 eine Partnerschaft mit der
französischen Hafenstadt Calais und 1982 mit der zentral-chinesischen Wirtschaftsmetropole Wuhan (8 Mio. Einwohner/innen).
In
diesem Jahr feiert die Stadt Duisburg das 25-jährige Bestehen dieser
Städtepartnerschaft. Auch diese Städtepartnerschaft fördert über die
Stärkung der grenzüberschreitenden Unternehmenskooperationen hinaus
Kooperationen im breiten Spektrum kommunaler Handlungsfelder.

Städtepartnerschaft mit Vilnius
Die zweite Phase, beginnend Anfang der 80er Jahre, stand ganz im Zeichen der anfangenden Reformprozesse in Osteuropa. Der einst so undurchdringliche eiserne Vorhang lockerte sich allmählich, und auch hier sollte das Verständnis füreinander auf kommunaler Ebene durch zwischenmenschliche Begegnung im Rahmen von Städtepartnerschaften wachsen.
Duisburg nahm dabei eine
Vorreiterroller ein. Am 10. Oktober 1985 wurde zwischen Vilnius und Duisburg
die Städtepartnerschaft durch eine Urkunde feierlich besiegelt. Zu diesem Zeitpunkt
ahnte wohl noch keiner der Beteiligten, dass die damals noch zur Sowjetunion
gehörende Stadt, fünf Jahre später Hauptstadt des unabhängigen Staates Litauen
und 2004 Mitglied der Europäischen Union sein würde.
Vilnius ist heute die bedeutendste Stadt Litauens und mit mehr als 550.000 Einwohnern eines der wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des Baltikums. Mit der ältesten Universität Osteuropas, einem Altstadtkern, der zu den größten und am besten erhaltenen Europas zählt und den die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt hat, hat die Stadt auch kulturell ein mannigfaltiges Angebot zu bieten.
Vielfältig sind inzwischen auch die Verbindungen Duisburgs in die litauische Hauptstadt. Standen am Anfang zunächst noch humanitäre Projekte im Vordergrund, um die angespannte Lebenssituation der Bewohner Vilnius nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der frisch erworbenen Unabhängigkeit zu verbessern, haben sich inzwischen die Kontakte auf andere Bereiche verlagert. So gibt es eine Reihe von Projekten im sozialen, schulischen und kulturellen Bereich. Daneben gewinnen wirtschaftliche Kontakte eine immer größere Bedeutung. Mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 7-8 % gehört Litauen zu den Spitzenreitern in der Europäischen Union und gewinnt als Absatzmarkt auch für Firmen aus Nordrhein-Westfalen eine immer größere Bedeutung.
Auf den Bürger kommt es an
Städtepartnerschaften sollen das freiwillige Zusammenfinden von Menschen über Grenzen hinweg erleichtern. Bereits vorhandene private Kontakten von Bürgern oder aber auch einer Schule oder Universität zu einer Kommune im Ausland, bilden oft den Ausgangspunkt für die formelle Aufnahme einer Städtepartnerschaft.
Wie sich in der Zukunft die Städtepartnerschaften entwickeln werden, hängt zwar auch von den Verwaltungsspitzen der Partnerstädte ab, soll sich der Austausch aber nicht auf einen gelegentlichen freundlichen Briefwechsel zwischen den Bürgermeistern beschränken, sind vor allem die Bürger, Vereine und Wirtschaftsunternehmen der Partnerstädte gefordert, um die Beziehung mit Leben zu erfüllen. Wirtschaftskontakte, Kooperation von Vereinen und Bildungseinrichtungen und schließlich auch der Besuch von BürgerInnen in ihren Partnerstädten intensivieren diese Kooperation und füllen sie mit Leben. Gemeinden, die besonders intensive europäische Partnerschaftskontakte pflegen, haben sogar die Chance, vom Europarat ausgezeichnet zu werden. Oder sie machen es direkt wie Osnabrück: Die niedersächsische Stadt tauscht mit ihren Partnerstädten so genannte Städtebotschafter aus, meist junge Leute, die ein Jahr in Osnabrück oder in der Partnerstadt leben und in der dortigen Verwaltung arbeiten - besser kann man die Partnerstadt kaum kennen lernen.
David Goertz
