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Metropolregion Rhein-Ruhr im Herzen Europas

Europäische Metropolregionen, wie London oder Paris sind Impulsgeber der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung eines Landes. Sie besetzen Schlüsselfunktionen in der Welt und genießen hohes Ansehen in der internationalen Gemeinschaft.

London! Paris! Rhein-Ruhr?!

Karte der Region London, Paris, Randstad, Nijmegen-Arnhem und Rhein-Ruhr
GroßbildansichtKarte der Region London, Paris, Randstad, Nijmegen-Arnhem und Rhein-Ruhr
Die Metropolregion Rhein-Ruhr ist einer der größten europäischen Ballungsräume. Sie reicht von Hamm über Dortmund, Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln bis Bonn. Ihre Grenzen verlaufen fließend. Mit ca. 11 Millionen Einwohnern kann sich die Metropolregion an anderen europäischen Regionen wie London (11 Mio.) oder Paris (10 Mio.) messen lassen. Die Bevölkerungsdichte ist jedoch nicht der einzige Faktor mit dem sich die Rhein-Ruhr-Region auf einer Ebene mit europäischen Zentren, wie die eben genannten, stellen kann. An Rhein und Ruhr finden sich ebenfalls eine optimal ausgebaute Infrastruktur, Straßen- und Schienennetze, Wasserwege und die Nähe zu internationalen Flughäfen wie z. B. in Düsseldorf.

Ihre Lage in der "Mitte Europas" macht sie weltweit zu einem Ort bester Erreichbarkeit.
Seit dem Beitritt der östlichen EU-Mitglieder befindet sich in einem Radius von 500 Kilometern um die Metropolregion über die Hälfte aller EU-Verbraucher. All dies bescheinigt der Region Standortvorteile für Wirtschaft und internationale Anleger. Vor diesem Hintergrund braucht die "Rhein-Ruhr-Metropole" den Vergleich mit anderen europäischen Schwergewichten wie Paris oder London nicht scheuen.

Jedoch steckt in dieser Region noch viel mehr Potenzial als bisher eigentlich genutzt wird. Die fortschreitende Globalisierung erfordert neue Konzepte und stärkere Kooperation, damit eine Region als Wirtschaftsstandort im weltweiten Wettbewerb attraktiv ist und bleibt.
 

Gesucht: Gemeinsame Strategie

Bisher mangelte es den Kommunen jedoch an Einigkeit über eine gemeinsame Strategie, um die Idee von der Rhein-Ruhr Metropol-Region gewinnbringend für alle zu vermarkten. Vielerorts herrschen noch die alten Kategorisierungen von "Niederrhein", "Ruhrpott" und Rheinland in den Köpfen vor. In der Metropolregion Rhein-Ruhr können jedoch keine Grenzen gezogen werden, unter anderem weil die Verknüpfung unter den Städten sehr dicht und die Mobilität der Menschen hier sehr hoch ist. Wohnen in Dortmund, Arbeiten in Düsseldorf, Einkaufen in Oberhausen, Museumsbesuch in Duisburg - keine Besonderheit in der Realität der Metropolregion. Alle wichtigen Zentren sind innerhalb kürzester Zeit zu erreichen.

Ein positiver Ansatz, "gedachte" Grenzen zu überwinden, ist die Kooperation von Städten und Kreisen sowie verschiedener lokaler Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR). Nur so kann das hohe Pendleraufkommen in der Region bewältigt werden, und der Erfolg dieser gemeinsamen Organisation lässt sich in Zahlen ausdrücken: Während 1990 im VRR noch 656 Millionen entgeltliche Fahrten gezählt wurden, sind es im Jahr 2006 ca. 1,1 Milliarden Fahrten - immerhin ein Plus von fast 68 Prozent. Ein beeindruckendes Ergebnis, zu dem sicher nicht nur die Fußball-WM beigetragen hat.

Leider beschränken sich Initiativen wie die VRR-Kooperation nur auf bestimmte Bereiche wie z.B. die Infrastruktur geben aber keine übergreifende Lösung für die Rhein-Ruhr Region ab.
 

Das "Scharnier" Duisburg

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat sich dieser Problematik angenommen und die politischen Spitzen der Rheinschiene, des Ruhrgebietes und des Niederrheins eingeladen, im Sommer dieses Jahres das Thema der Metropolregion Rhein-Ruhr zu diskutieren. "Nur wenn wir uns als Rhein-Ruhr-Wirtschaftsregion mit elf Millionen Menschen begreifen und nach außen darstellen, werden wir im globalen Wettbewerb wahrgenommen", bemerkte OB Sauerland. Der Zeitpunkt für solche Gespräche ist bewusst gewählt, wird doch vom 08.-12. August in Duisburg die Kanu-WM stattfinden und die Stadt für kurze Zeit besonders in den Mittelpunkt des nationalen und internationalen Interesses rücken. Gerade deshalb ist der Oberbürgermeister überzeugt, dass vor dem Hintergrund dieses sportlichen Großereignisses konstruktive Gespräche stattfinden können. Er sieht Duisburgs Part in der Vermittlerrolle, das als "Scharnier zwischen der Rheinschiene und dem Ruhrgebiet" fungiert und dabei auch den Niederrhein einschließe.
 

Blick nach Asien

Gerade gegenüber wichtigen internationalen Partnern wie China sollte sich die Metropole Rhein-Ruhr als Einheit präsentieren. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Asiens hat ihren Blick nach Europa gelenkt, um ökonomische Beziehungen zu intensivieren. Hieraus ergibt sich eine große Chance für die Metropolregion, ihre Vorzüge zu präsentieren und ihre Vorteile gegenüber anderen europäischen Zentren aufzuzeigen.

Auch hier kann sich Duisburg als Vermittler erweisen, schließlich pflegt man seit Jahrzehnten gute Beziehungen zur chinesischen Partnerstadt Wuhan. Man könnte Wuhan als fernöstliches Gegenstück zu Duisburg beschreiben, denn sie ist ebenfalls als Zentrum der Stahl- und Eisenindustrie bekannt. Erste Kontakte nach Wuhan bestehen seit 1978, als die Duisburger Firmen Mannesmann-Demag, Krupp-Industrie-Technik und Thyssen Consulting in der 8000 km entfernten Stadt gemeinsam ein Kaltwalzwerk eröffneten. 1982 entstand aus der wirtschaftlichen Verbindung eine offizielle Städtepartnerschaft mit Duisburg. Aufgrund dieses Kontaktes entstand z.B. die in Duisburg ansässige "Business Europe China Aktiengesellschaft" (BEC AG), die chinesische und europäische Firmen bei der Aufnahme und Durchführung von Geschäftsbeziehungen in China und Europa berät.

Die Außendarstellung als Gesamtregion stellt den Schlüssel zum Erfolg dar. Die Chancen die sich aus den aufkeimenden Wirtschaftsbeziehungen mit China ergeben, sind für die Rhein-Ruhr-Metropolregion enorm und nicht zu vernachlässigen, um auf dem internationalen Weltmarkt zur Spitze zu gehören.

Julia Kallweit